Schweizer Autofahrer sind schlecht erzogen!

Offensichtlich werden in anderen Staaten die Lärmvorschriften für motorisierte Verkehrsteilnehmer besser umgesetzt wie bei uns – viel besser.

20min berichtet am  22.4.18 wie folgt:

Polizei zieht reihenweise Schweizer Autos ein

Weil sich dutzende Schweizer in Monaco nicht an die Verkehrsregeln hielten, sind ihre Autos eingezogen worden. «Zum Schämen», sagt ein Leser.

Zahlreiche Autos von Lamborghini, Ferrari, McLaren oder Pagani zogen dieses Wochenende an der Jetset-Küste von Monaco die Aufmerksamkeit auf sich. Im Fürstentum an der Côte d’Azur fand die jährliche Edelkarossen-Ausstellung «Top Marques» statt. Mit dabei: Zahlreiche Schweizer Autofans, die sich nicht an die Verkehrsregeln hielten.

«Allein am Samstag hat die Polizei rund 80 Autos für 48 Stunden eingezogen», sagt Leser L. R.*. «Über 50 davon waren Autos mit einem Schweizer Nummernschild: Das ist zum Schämen!» R. sei aufgrund der Luxusauto-Show in die Küstenstadt gekommen, denn Sportwagenfans würden dort voll auf ihre Kosten kommen.

Begegnet seien ihm aber zahlreiche Schweizer in ihren BMWs und Mercedes, die auf der Strasse drifteten oder die Reifen durchdrehen liessen. «Sie tun alles, was in der Schweiz eigentlich verboten ist», sagt R.

«Wer herkommt, muss sich an Regeln halten»

Die Organisatoren von Top Marques Monaco sind nicht begeistert: «Solche Leute werfen ein schlechtes Licht auf unseren Event», sagt PR-Sprecherin Suzanna Chambers. Die von der Polizei beschlagnahmten Autos seien ausserdem nicht Teilnehmer des Supercar-Events. «Diese Leute kommen nur nach Monaco, um mit ihren Autos zu posieren.»

Nun habe aber die monegassische Polizei aufgrund vergangener Erfahrungen die Schraube angezogen. «Wer das Gesetz bricht, zu schnell oder zu laut unterwegs ist, muss sein Auto abgeben», sagt Chambers. Top Marques unterstütze aber das strenge Vorgehen der Polizei. «Wer hierher kommt, muss sich an die Regeln halten.»

*Name der Redaktion bekannt

http://www.20min.ch/panorama/news/story/adf-29771964

 

Peter Payer: „Heiliger Lärm“

Zitat aus dem Buch VOM GERÄUSCH ZUM LÄRM, Zur Geschichte des Hörens im 19. und frühen 20. Jahrhundert von Peter Payer

„Besonders laute, Furcht und Respekt einflößende Geräusche wurden in vielen Gesellschaften als „Stimme“ einer göttlichen Instanz verstanden. Dazu gehörten Naturlaute wie Donner, mit dessen Kraft oberste Gottheiten wie Zeus und Thor ausgestattet waren, Vulkanausbrüche und Sturmgeräusche, aber auch die lärmende Inbrunst bei religiösen Gesängen und Tänzen oder das Läuten der Kirchenglocken und der dröhnende Klang des Orgelspiels. Der „Heilige Lärm“ stellte ein gesellschaftliches Tabu dar, war von jeder Kritik ausgenommen, wodurch der ihn produzierenden Gemeinschaft die Autorität zukam, ihn ohne Zensur auszuüben.“

http://www.stadt-forschung.at/download/Vom%20Geraeusch%20zum%20Laerm.pdf

Bild: Thor (von Mårten Eskil Winge, 1872)

Wider die Vernunft

IG Stiller

Kommentar zum Bundesgerichtsurteil vom 13.12.17 betreffen nächtlichen Viertelstundenschlag in Wädenswil.

Einführung

Einmal mehr wird Tradition höher bewertet wie die Gesundheit. Die 10 % der Schweizer Bevölkerung welche durch nächtlichen Kirchenglockenlärm gestört werden, sind mit diesem Entscheid einmal mehr im Stich gelassen worden. Aber auch das fünfte negative BG-Urteil wird nicht das letzte sein. Der nächtliche Zeitschlag führt nämlich genauso zu Stressreaktionen wie anderer Lärm. Der nächtliche Zeitschlag schadet der Gesundheit der Schweizer Bevölkerung! Wir bleiben dran.

Aufweckreaktion

Das BG argumentiert mit den Aufwachreaktionen und dem fehlenden Grenzwert. Es findet zwei Aufweckreaktionen pro Nacht ok. Ob zwei Aufwachreaktionen pro Nacht toleriert werden müssen ist – und da geben wir dem BG recht – eine politische Frage – genau wie beim Strassen-, Schienen- und Fluglärm.

Ob das BG auch vier Aufwachreaktionen tolerieren würde, ist nicht geklärt. Nie diskutiert wurde ausserdem die schädliche Wirkung des nächtlichen Zeitschlages auf das Einschlafen. Die Gerichte werden sich also weiter mit dem Thema beschäftigen.

 ETH Studie

Die Kritik an der ETH Studie ist an den Haaren herbei gezogen, weil den Richtern die Aussage der Studie nicht gefällt. Die vom Bund finanzierte und auch von namhaften Akustikkern der EMPA unterstützte Studie – wurde sorgfältig geplant und überwacht, sie konnte in einer anerkannten wissenschaftlichen Zeitschrift publiziert werden. Vorallem aber werden mit der ETH Studie Resultate der Fluglärmforschung bestätigt! Aufweckreaktionen können schon unter 40 dB beobachtet werden. Dies ist nach wie vor unbestritten und für uns die zentrale Aussage der Studie.

Tradition

Das BG argumentiert im weiteren mit der Tradition. Damit wurde auch die Sklaverei verteidigt. Traditionelle Mullahs verteidigen damit auch heute noch die Klitorisbeschneidung. Genauso wie das BG bewerten diese Mullahs die Tradition als wichtiger wie die Gesundheit.

In Städten wie Zürich, Winterthur und St. Gallen haben etwa jede zweite Kirche den nächtlichen Zeitschlag verdünnt oder abgestellt. Tradition ist also wandelbar und die Tradition des nächtlichen Zeitschlages ganz offensichtlich auf dem Rückzug.

 Fazit

Das aktuelle BG Urteil wird keinen grossen Einfluss auf den Rückgang des nächtlichen Zeitschlages haben, weil die allermeisten Entscheide für mehr Nachtruhe nicht durch Gerichtsurteile sondern durch Kirchengremien erfolgt sind, welche begriffen haben, dass es nicht Funktion der Kirchen sein kann, den Anwohnern den Schlaf zu rauben und damit ihre Gesundheit zu gefährden.

 

Version vom 17.12.2017

 

 

 

 

Kulturkampf auf dem Nacken der Kuh

 

 

Der Film mit der weidenden Bio Suisse Kuh wurde Ende September 2017 in Trogen aufgenommen.

Hier in der Ostschweiz  findet sich in fast jedem Dorf mindestens eine Bauernfamilie, welche die Tradition der Kuhglocken durch Verwendung übergrosser Glocken endgültig korrumpiert. Leider kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich dabei teilweise um Trotzreaktionen handelt, welche auf Aktivitäten der IG Stiller zurückzuführen sind.

Die Veterinärämter der Kantone St.Gallen und beider Appenzell haben 2015 auf Anraten der IG Stiller drei Fälle untersucht, bei denen weidende Kühe übergrosse Glocken tragen mussten. Fazit der Veterinärmediziner: Solange keine sichtbaren Wunden auftreten, ist das den Tieren zumutbar.

Eine der drei betroffenen Bauernfamilien hat schon 2017 wieder zum ganz grossen Geschütz gegriffen (Film). Eine der damals betroffenen Bauernfamilien verzichtet seither auf die Riesenglocke. In der Folge haben dafür zwei ihrer Nachbarn begonnen im Herbst jeweils einer Kuh eine solche anzuhängen. Es geht schliesslich um die Freiheit des Bauernstandes!

Aufgrund von älteren Umfragen wissen wir, dass der Schweizer Tierschutz und verschiedene Lebensmittel-Labels, wie Bio Suisse, Coop Naturaplan, Demeter und andere, es ebenfalls nicht für nötig finden, die Grösse der Glocken zu limitieren.

Kommt dazu, dass die Lebensmittelindustrie Ihre Milchprodukte oft mit weidenden Kühen mit grossen Glocken schmückt. Mit der Folge, dass dies viele Menschen als ganz normal ansehen.

Die IG Stiller hat deshalb im „Stillen Weissbuch“ Vorschläge für die Limitierung der Grösse von Tierglocken publiziert.

Immerhin kann aufgrund jahrzehntelanger Beobachtung auch festgestellt werden, dass heute deutlich mehr Bauernfamilien auf die Verwendung von Glocken verzichten als früher – auch im Appenzellerland.

Samuel Büechi, Trogen AR, Anfang Oktober 2017

Offener Brief an Bundesrätin Doris Leuthard

Trogen, den 26.4.2017

Frau Bundesrätin Doris Leuthard, Vorsteherin EVD, Bundehaus Ost, 3003 Bern

Nächtlicher Freizeitverkehr gefährdet Tradition der Nachtruhe

Sehr geehrte Frau Bundesrätin

Wir beziehen uns auf Ihren Brief vom 16. 6.11 zum Thema Kirchenglocken. In Trogen wurde unterdessen eine richtungsweisende Lösung für den nächtlichen Zeitschlag gefunden und das Problem mit dem Richtwert für Kirchenglockenlärm hat sich dank der ETH-Studie gelöst. Sie hatten damals mit Brauchtum und Tradition argumentiert, was uns hoffen lässt, dass Sie bereit sind, sich auch für andere Traditionen einzusetzen. Wir bitten nun um Ihren Einsatz für die stark gefährdete Tradition der Nachtruhe. Das Hauptproblem dabei ist der Strassenlärm – speziell der Freizeitverkehr.

Längerfristig würden wir uns ein Verbot lauter Motorfahrzeuge in der Nacht wünschen – analog wie für Lastwagen. Alternativen für laute Motorräder gibt es ja. Kurzfristig liessen sich diese nächtlichen Lärmspitzen einfach mit einer konsequenten Durchsetzung bestehender Lärmgesetze vermindern.

Das Vermeiden von Lärm ist in Artikel 42 des Strassenverkehrsgesetzes geregelt (Vermeiden von Belästigungen): 1. Der Fahrzeugführer hat jede vermeidbare Belästigung von Strassenbenützern und Anwohnern, namentlich durch Lärm, Staub, Rauch und Geruch, zu unterlassen und das Erschrecken von Tieren möglichst zu vermeiden. 2. Der Betrieb von Lautsprechern an Motorfahrzeugen ist untersagt…. Artikel 33 der Verkehrsregelverordnung schreibt zudem vor: „Fahrzeugführer, Mitfahrende und Hilfspersonen dürfen, namentlich in Wohn- und Erholungsgebieten und nachts, keinen vermeidbaren Lärm erzeugen“.

Die Polizei unternimmt aber – je nach Kanton – nichts bis fast nichts in dieser Sache. Uns scheint es, dass die  Polizei meist zu wenig weiss über die Schädlichkeit des Lärms und über die Möglichkeiten der Umsetzung von Artikel 42 des Strassenverkehrsgesetzes.

Wir möchten Sie deshalb bitten, in dieser Sache aktiv zu werden und Massnahmen zu entwickeln, welche geeignet sind, den Kantonen bei der Umsetzung der Gesetze gegen Strassenlärm zu helfen. Das wäre ein wichtiger Beitrag – nicht nur für die Tradition der Nachtruhe – sondern ein dringend notwendiger Beitrag für weniger Lärm in Städten und Dörfern und für die Gesundheit der Bevölkerung.

Freundliche Grüsse

IG Stiller

Sekretariat

Dr. Samuel Büechi

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