IG Stiller

Kommentar zum Bundesgerichtsurteil vom 13.12.17 betreffen nächtlichen Viertelstundenschlag in Wädenswil.

Einführung

Einmal mehr wird Tradition höher bewertet wie die Gesundheit. Die 10 % der Schweizer Bevölkerung welche durch nächtlichen Kirchenglockenlärm gestört werden, sind mit diesem Entscheid einmal mehr im Stich gelassen worden. Aber auch das fünfte negative BG-Urteil wird nicht das letzte sein. Der nächtliche Zeitschlag führt nämlich genauso zu Stressreaktionen wie anderer Lärm. Der nächtliche Zeitschlag schadet der Gesundheit der Schweizer Bevölkerung! Wir bleiben dran.

Aufweckreaktion

Das BG argumentiert mit den Aufwachreaktionen und dem fehlenden Grenzwert. Es findet zwei Aufweckreaktionen pro Nacht ok. Ob zwei Aufwachreaktionen pro Nacht toleriert werden müssen ist – und da geben wir dem BG recht – eine politische Frage – genau wie beim Strassen-, Schienen- und Fluglärm.

Ob das BG auch vier Aufwachreaktionen tolerieren würde, ist nicht geklärt. Nie diskutiert wurde ausserdem die schädliche Wirkung des nächtlichen Zeitschlages auf das Einschlafen. Die Gerichte werden sich also weiter mit dem Thema beschäftigen.

 ETH Studie

Die Kritik an der ETH Studie ist an den Haaren herbei gezogen, weil den Richtern die Aussage der Studie nicht gefällt. Die vom Bund finanzierte und auch von namhaften Akustikkern der EMPA unterstützte Studie – wurde sorgfältig geplant und überwacht, sie konnte in einer anerkannten wissenschaftlichen Zeitschrift publiziert werden. Vorallem aber werden mit der ETH Studie Resultate der Fluglärmforschung bestätigt! Aufweckreaktionen können schon unter 40 dB beobachtet werden. Dies ist nach wie vor unbestritten und für uns die zentrale Aussage der Studie.

Tradition

Das BG argumentiert im weiteren mit der Tradition. Damit wurde auch die Sklaverei verteidigt. Traditionelle Mullahs verteidigen damit auch heute noch die Klitorisbeschneidung. Genauso wie das BG bewerten diese Mullahs die Tradition als wichtiger wie die Gesundheit.

In Städten wie Zürich, Winterthur und St. Gallen haben etwa jede zweite Kirche den nächtlichen Zeitschlag verdünnt oder abgestellt. Tradition ist also wandelbar und die Tradition des nächtlichen Zeitschlages ganz offensichtlich auf dem Rückzug.

 Fazit

Das aktuelle BG Urteil wird keinen grossen Einfluss auf den Rückgang des nächtlichen Zeitschlages haben, weil die allermeisten Entscheide für mehr Nachtruhe nicht durch Gerichtsurteile sondern durch Kirchengremien erfolgt sind, welche begriffen haben, dass es nicht Funktion der Kirchen sein kann, den Anwohnern den Schlaf zu rauben und damit ihre Gesundheit zu gefährden.

 

Version vom 17.12.2017