KategorieFluglärm

Lärmumfrage Trogen 2016

 Einführung

Geräusche, welche störend, belastend oder schädigend sind, werden als Lärm bezeichnet. Das Wort wird von Alarm abgeleitet, welches seinerseits auf all’arme „zu den Waffen“ zurückgeht. Lärm führt zu Stress und Aggression sowie zu Gesundheitsschädigungen wie Erkrankungen des Nerven- und des Herz-Kreislauf-Systems. Das betrifft auch Menschen, welche Lärm nicht mehr bewusst wahrnehmen, weil Lärm auch in diesen Fällen – trotz scheinbarer Gewöhnung – weiter auf Psyche und Körper wirkt. Die vorliegende Umfrage ist die vierte Lärmumfrage der IG Stiller. Die erste Umfrage fand 2003 ebenfalls in Trogen statt.

Methode

Ende August 2016 erhielten alle Haushaltungen von Trogen (821) einen Fragebogen. Dieser richtete sich an diejenigen, welche zu Hause durch Lärm gestört werden. Die Angaben konnten für verschiedene Lärmarten in drei Stufen angegeben werden: 1 (wenig), 2 (mittel) und 3 (stark).

Resultate

Bis Anfang Oktober 2016 sind 68 Rückmeldungen eingegangen. 56 Rückmeldungen konnten in die Auswertung einbezogen werden. Strassenlärm verursacht am meisten Störungen. Keine andere Lärmart stört tagsüber auch nur annähernd so stark wie Strassenlärm. Speziell störend sind laute Motorräder und vermeidbarer Strassenlärm wie hochtourige Fahrweise, Aufheulen lassen des Motors oder laute Musik. Weitere wichtige Lärmquellen während dem Tag sind Flugverkehr  und „Gewerbe/Land­wirtschaft“. In der Nacht fallen neben Strassenlärm speziell Fluglärm und Herdengeläut auf. Bei einer gewerteten Auswertung, wenn alle leichten Störungen mit 1, die mittleren mit 2 und die starken mit 3 gewertet werden, ergibt sich eine ähnliche Rangordnung. Strassenlärm steht auch bei dieser Auswertung auf dem ersten Platz – am Tag mit 91 Pun­k­ten in der Nacht mit 66 Punkten. Den zweiten Platz teilen sich am Tag Flugverkehr und Gewerbe/Landwirtschaft mit je 37 Punkten – in der Nacht Flug­ver­­kehr und Herdengeläut mit je 41 Punkten. Weitere Störquellen mit mehr als 20 Punkten sind Veranstaltungen, Hundegebell und Nachbarn sowie Kirchen­glocken nachts. 

Diskussion

Die Lärmempfindlichkeit der Menschen variiert stark. Während die einen zum Beispiel auch mit Geräuschen von 60 dB nur schwer geweckt werden können, erwachen andere schon leicht wegen Geräuschen von 40 dB. Unabhängig von dieser Empfindlichkeit kann Lärm nicht nur Stress und Aggression sondern auch Krankheiten und Todesfälle verursachen. So wurde berechnet, dass durch Verkehrslärm schweizweit jährlich knapp 1800 beschwerdefreie Lebensjahre verloren gehen – 85% durch Todesfälle und 15% durch Krankheitsfälle (BAFU: Auswirkungen des Verkehrslärms auf die Gesundheit. Schlussbericht. 22. April 2014).

Speziell störend am Strassenlärm sind laute Motorräder und vermeidbarer Strassenlärm wie hochtourige Fahrweise, Aufheulen lassen des Motors oder laute Musik. Vermeidbarer Lärm ist durch das Strassenver­kehrs­gesetz geregelt: „Der Fahrzeugführer hat jede vermeidbare Belästigung von Strassenbenützern und Anwohnern, namentlich durch Lärm, Staub, Rauch und Geruch, zu unterlassen …. Der Betrieb von Lautsprechern an Motorfahrzeugen ist untersagt… “. Speziell geschützt sind die Ruhezeiten: „Fahrzeugführer, Mitfahrende und Hilfspersonen dürfen, namentlich in Wohn- und Erholungsge­bieten und nachts, keinen vermeidbaren Lärm erzeugen“ (Verkehrsregelverord­nung). „Wer mut­willig durch Lärm die Nachtruhe stört, wer in grober Weise die Ruhe an Sonn- und Feiertagen stört, wird mit Busse bestraft“ (kantonales Strafrecht). Im Gegensatz zum Kanton St. Gallen, welcher immerhin mit Plakaten auf das Problem vermeidbarer Strassenlärm aufmerksam macht, konnten in Ausserrho­den bisher keine entsprechenden Massnahmen festgestellt werden. Die IG Stiller fordert ein Verbot der Verwendung lauter Motorfahrzeuge während der Ruhezeiten – analog wie für Lastwagen. Heute stehen mit Elektro-Motorräder und Elektro-Fahrrädern ruhigere Alternative zur Verfügung.   

Eigentlich gibt es in der Ostschweiz keinen Fluglärm da der Grenzwerte von 60 dB kaum überschritten wird. Der Grenzwert entspricht allerdings nicht dem Stand der Wissenschaft sondern ist ein politisch festgelegter Wert. Auch beim Fluglärm muss aber schon bei unter 40 dB mit Aufwachreaktionen gerechnet werden. Dies ist deshalb von Bedeutung, weil die Nachtflug-Sperre von 23-6 Uhr nicht eingehalten wird. Speziell zwischen 23-24 Uhr starten und landen regelmässig Flugzeuge in Kloten. Grund dafür ist meist der Abbau von Verspätungen, die tagsüber aufgebaut werden. Die IG Stiller fordert Nachtruhe ab 22 Uhr – auch für Fluglärm und auch für die Ostschweiz.

Arbeitslärm von Gewerbe, Landwirtschaft und Baustellen lassen sich nur teilweise vermeiden. Vorschriften zur Lärmvermeidung und Ruhezeiten (12-13 Uhr und 19-7 Uhr) könnten aber besser eingehalten werden. Wenn der Radio auf Baustellen zum Beispiel mehr Lärm macht wie die Arbeit ist das nicht im Sinne der Baulärm-Richtlinie.

Herdengeläut muss im Siedlungsgebiet tagsüber toleriert werden – nicht aber in der Nacht, wie das Bundes­gericht schon vor 100 Jahren festgestellt hat: „Das Interesse des Klägers, auf seiner Liegenschaft zur Nachtzeit Vieh mit Glockengeläute Weiden zu lassen, kann nur als eine Liebhaberei betrachtet werden“. Denn der von ihm für die Notwendigkeit des Herdengeläutes in erster Linie angeführte Grund, die leichtere Überwachung des Viehs, falle von vornherein ausser Betracht, weil die Weide eingefriedigt sei. 1975 bestätigte das Gericht diese Einschätzung: „…doch wird der Beklagte ein nächtliches Durchbrennen eines Tieres auch dann nicht ohne weiteres bemerken, wenn dieses eine Glocke trägt.“ Wegen der dichten Besiedelung könne ein durchgebranntes Tier leicht aufgefunden werden. Ergänzt werden könnte, dass Besitzer der im Dorf weidenender Kälber die Schellen zu Hause gar nicht hören, weil sie weit weg ausserhalb des Dorfes leben. In Ausserrhoden wurde 2013 vom Obergericht festgestellt, dass bei Lärm­klagen betreffend Herdengeläut die Gemeinde zuständig ist (O4V 12 14). Dank dieser Entscheidung sind keine zivilrechtlichen Prozesse mehr nötig. Wer von nächtlichem Herdengeläut gestört wird, kann sich auf das Umweltschutzgesetz und die die Lärmschutzverord­nung berufen und sich bei der Gemeinde­verwaltung melden.

Grundlage für den Umgang mit Nachbarn ist das Zivilgesetzbuch: „Jedermann ist verpflichtet, bei der Ausübung seines Eigentums, wie namentlich bei dem Betrieb eines Gewerbes auf seinem Grundstück, sich aller übermässigen Einwirkung auf das Eigentum der Nachbarn zu enthalten. Verboten sind insbesondere alle schädlichen und nach Lage und Beschaffenheit der Grundstücke oder nach Ortsgebrauch nicht gerechtfertigten Einwirkungen durch Luftverunreinigung, üblen Geruch, Lärm, Schall, Erschütterung, Strahlung oder durch den Entzug von Besonnung oder Tageslicht.“ Ein Hunde­halter zum Beispiel hat dafür sorgen, dass das Gebell seines Hundes die Nachbarn nachts nicht und tagsüber höchstens wenig stört.

Dass die Einwohner im Zentrum gelegentlich von Veranstaltungen gestört werden ist verständlich. Es darf allerdings erwartet werden, dass laute Veranstaltungen nur selten und maximal bis Mitternacht genehmigt werden. Daneben führen auch ungenehmigte Veranstaltungen in der Peripherie unseres Dorfes immer wieder zu starken Störungen. Diese müssen nicht akzeptiert werden.

Unter „anderem Lärm“ wurden folgende Störungen mehrfach erwähnt: Starke Störungen wegen nächtlicher Knallerei. Das neue Phänomen der nächtlichen Knallerei wird nicht nur in Trogen beobachtet. Als speziell ärgerlichen Lärm wurden Laubbläser erwähnt. Als leichte Störungen wurden mehrfach erwähnt: Lüftungen, Heizungen und Klimaanlagen.

Die Beteiligung war 2003 mit 88 auswertbaren Rückmeldungen deutlich höher als 2016. Bei der Umfrage von 2003 hatte nächtlicher Kirchenglockenlärm eine wichtige Stellung eingenommen. Dank der in Trogen getroffenen Massnahmen konnten „die nachts stark gestörten“ von 20 % auf 4 % vermindert werden. Zwei weiter bestehende starke Störungen durch Kirchenglocken betreffen das Morgenläuten. Herdengeläut ist bei der Umfrage von 2003 nicht gross aufgefallen. Grund für die andere Beurteilung ist wohl der Zeitpunkt der Umfragen – diejenige von 2003 erfolgte im Winter, diejenige von 2016 im Herbst.

Zusammenfassung

Das grösste Lärmproblem ist der Strassenlärm. Er ist am Tag und in der Nacht für die meisten Störungen verantwortlich. Speziell störend sind laute Motorfahrzeuge wie Motorräder und vermeidbarer Strassenlärm wie hochtourige Fahrweise, Aufheulen lassen des Motors oder laute Musik. Der zweite Platz für Fluglärm in dieser Umfrage zeigt einmal mehr, dass dieser Lärm auch in der Ostschweiz von Bedeutung ist. Speziell störend ist nächtlicher Fluglärm. Leider wird von Seiten des Staates nichts gegen laute Motorräder oder nächtlichen Fluglärm unternommen und beim vermeidbaren Strassenlärm werden die bestehenden Regeln nur selten durchgesetzt. Auf dem dritten Platz liegt am Tag der grösstenteils rationale Lärm von Gewerbe und Landwirtschaft – in der Nacht hingegen der irrationale Lärm „Liebha­be­rei Herdengeläut“. Dank einer rationalen Entscheidung des Ausserrhoder Obergerichtes können sich Betroffene neuerdings viel einfacher gegen diesen Lärm wehren.

Die IG Stiller fordert Nachtruhe ab 22 Uhr – auch für Fluglärm und auch für die Ostschweiz, ein Verbot der Verwendung lauter Motorfahrzeuge während der Ruhezeiten – analog wie für Lastwagen sowie die Durchsetzung der Vorschriften gegen vermeidbaren Strassenlärm.

Resultate-Tabelle:  tabelle

Graphik: graphik

«Südstart gerade aus» für mehr Nachtruhe

Zusammenfassung des Interviews zum Flughafen Zürich

„Die halbe Stunde zwischen 23 und 23.30 Uhr nutzen wir, um Verspätungen abzubauen, die sich tagsüber kumuliert haben. Diese entstehen aber zum grössten Teil gerade wegen der Lärmschutzvorgaben in Zürich. Und auch weil der Flughafen Zürich mehr Kapazität anbietet als das System verkraften kann. Der Klassiker ist der Start auf Piste 16 Richtung Süden. Nehmen wir an, Jürg fliegt mit dem Airbus nach San Francisco. Wenn er auf der Piste 16 startet, darf ich ihn nicht zuerst geradeaus und dann rechts Richtung Westen leiten, was eigentlich die schnellste und sicherste Variante wäre. Nein, er muss gleich nach dem Start in einer 270-Grad-Kurve links abdrehen und noch einmal über den Platz fliegen.“

Ganzer Text:

Frau Plüss, Sie arbeiten am Flughafen Zürich im Kontrollturm. Hören Sie die Flugzeuge auch zuhause?
Gabriela Plüss: Ich wohne in Wallisellen. Nach den Starts Richtung Süden fliegen die Flugzeuge direkt über unser Haus
Herr Ledermann, Sie sind Airbus-Pilot bei der Swiss, wohnen in Glattfelden. Wie sieht das bei Ihnen aus?
Jürg Ledermann: Wir hören die Starts Richtung Norden am Morgen und am Abend sowie die Anflüge aus Norden.
Der Lärm stört Sie nicht?
Ledermann: Nein, die Kirchenglocken sind deutlich lauter. Beides toleriere ich aber, weil meine Frau und ich uns entschieden haben, dort zu wohnen.
Plüss: Ich nehme den Lärm vor allem wahr, wenn eine Maschine am frühen Morgen durchstartet und voll Schub gibt. Das passiert aber sehr selten. Das Dauerrauschen der Autobahn höre ich viel stärker.
Verstehen Sie Anwohner, die sich über Fluglärm aufregen?
Ledermann: Tagsüber ist der Verkehrslärm in der Stadt wohl präsenter. Als störend werden ja vor allem die Starts nach 23 Uhr empfunden.
Plüss: Die halbe Stunde zwischen 23 und 23.30 Uhr nutzen wir, um Verspätungen abzubauen, die sich tagsüber kumuliert haben. Das Problem ist, dass diese halbe Stunde mittlerweile fast täglich benötigt wird. Da kann ich verstehen, dass sich die Anwohner ein wenig verschaukelt fühlen.
Also müsste man vor allem die Verspätungen verhindern?
Plüss: Diese entstehen aber zum grössten Teil gerade wegen der Lärmschutzvorgaben in Zürich. Und auch weil der Flughafen Zürich mehr Kapazität anbietet als das System verkraften kann.
Können Sie das näher erklären?
Plüss: Der Klassiker ist der Start auf Piste 16 Richtung Süden. Nehmen wir an, Jürg fliegt mit dem Airbus nach San Francisco. Wenn er auf der Piste 16 startet, darf ich ihn nicht zuerst geradeaus und dann rechts Richtung Westen leiten, was eigentlich die schnellste und sicherste Variante wäre. Nein, er muss gleich nach dem Start in einer 270-Grad-Kurve links abdrehen und noch einmal über den Platz fliegen.
Was heisst das für den Betrieb?
Plüss: Damit kreuzt er nicht nur einen möglichen Durchstart der Flugzeuge, die auf Piste 14 landen. Er blockiert auch die Starts auf Piste 28. Sobald Jürg auf Piste 16 startet, geht dort drei Minuten lang nichts mehr. Zudem muss ich die Anflüge auf Piste 14 unterbrechen. Oder anders formuliert: Dieser Start kostet mich drei Landungen. Da ist es ja logisch, dass es Verspätungen gibt. Unser COO Alex Bristol hat kürzlich gesagt, dass am Flughafen Zürich rund 40 Prozent der Kapazität nicht genutzt werden kann – alleine wegen der Lärmpolitik.
Was wäre die Lösung?
Plüss: Man müsste die Flugrouten entflechten. Der «Südstart gerade aus» würde viele Probleme lösen und gleichzeitig Verspätungen reduzieren. Leider wird dieses Verfahren vom Flughafen und von der Politik verhindert.
Ist es nicht sicherer, die Routen zu kanalisieren statt zu streuen?
Plüss: Nein. Durch die lärmpolitisch bedingte Bündelung hat es viele Kreuzungen zwischen den Abflugrouten. Zudem kommen allfällige Durchstarts den Abflügen in die Quere. Innerhalb der Abflugverfahren in Zürich haben wir 27 Kreuzungspunkte, was den Betrieb ineffizient und komplex macht. Jede Kreuzung ist ein potentieller Gefahrenherd, das ist im Strassenverkehr ja nicht anders. Wien hat praktisch gleich viele Abflugrouten wie Zürich aber keinen einzigen Kreuzungspunkt zwischen diesen Routen.
Gibt es konkrete Vorschläge, um dieses Problem zu lösen?
Ledermann: Ganz einfach, indem ich auf Piste 16 geradeaus starten und dann die Richtung meines Ziels einschlagen könnte. Aber der «16 straight» ist aus lärmpolitischen Gründen scheinbar nicht möglich.
Und wegen der Angst vor einem Absturz in besiedeltes Gebiet.
Ledermann: Es gibt unzählige Flughäfen, wo direkt über die Stadt geflogen wird. Zum Beispiel in London. Übrigens: Wenn in Zürich nach dem Start auf Piste 16 ein Triebwerk ausfällt, führt die Route schon heute zuerst geradeaus Richtung Dübendorf und dann zurück zum Flughafen.
Wieso setzt sich der Flughafen nicht stärker für den «16 straight» ein?
Ledermann: Er will Abstimmungen gewinnen und deshalb die Einwohner im Süden nicht vergraulen. Er sagt, er brauche die Stimmen der Stadtbevölkerung und derjenigen am Zürichsee.
Ist der «16 straight » auch aus Lotsen-Sicht die beste Lösung?
Plüss: Wir fordern ihn vehement. Dass er hervorragend funktioniert, haben wir 2000 gesehen. Wegen Bauarbeiten war die Piste 28 eine Zeit lang gesperrt. Die Flugzeuge landeten von Norden her auf Piste 14 und starteten auf der 16 geradeaus Richtung Süden. Der Betrieb war nie so effizient und sicher wie in jenem Sommer. Wir hatten praktisch keine Verspätungen. Heute ist es so, dass ein Pilot bei starkem Aufkommen bis zu 15 Minuten mit laufenden Triebwerken auf den Start warten muss. Ledermann: Die Einschränkungen wirken sich ja nicht nur auf die Starts aus. Damit am Wochenende die Morgenwelle pünktlich rauskommt, ist der Flughafen von 7 bis 7.30 Uhr für Anflüge gesperrt. Das ist ziemlich «unique».
Gibt es keine Alternativen?
Plüss: Das Betriebsreglement und die deutsche Verordnung geben uns vor, wann auf welchen Pisten gelandet und gestartet werden darf – und mit welchen Maschinen. Da bewegen wir uns in einem sehr engen Korsett, das zur Folge hat, dass wir mindestens zwei Mal täglich das An- und Abflugkonzept umstellen müssen, je nach Wetter auch häufiger. Und jeder Wechsel erhöht natürlich die Komplexität, weil wir jedes Mal die Zuständigkeitsbereiche der Sektoren ändern und die Verkehrsströme umleiten müssen. Sie erwähnten mehrfach die Komplexität. Damit umzugehen ist doch Teil Ihres Jobs. Plüss: Das System am Flughafen Zürich ist heute nicht mehr fehlerfrei zu beherrschen. 12 schwere Vorfälle in 10 Jahren im Zusammenhang mit kreuzenden Pisten und Flugrouten ist zu viel. Daher fordern wir seit Jahren mehr Sicherheitsmarge im System. Menschen machen Fehler, das lässt sich nicht vermeiden.
Wie beim schweren Vorfall 2011, als sich zwei startende Swiss-Airbus gefährlich nahe kamen.
Plüss: Das hätte mir und jedem meiner Kollegen passieren können. Im Schlussbericht zu diesem Vorfall bestätigt die Schweizerische Unfalluntersuchungsstelle, dass der Betrieb am Flughafen Zürich eine geringe Fehlertoleranz aufweist, dass eine Bündelung der Routen zwar den Lärm für die Anwohner reduziert, diese Vorteile aber durch eine höhere Komplexität erkauft werden und als solche eine Gefahr darstellen. Seit 2000 haben sich in unmittelbarer Nähe des Flughafens zwölf vergleichbare schwere Vorfälle ereignet. Das ist alarmierend.
Was wurde nach dem Vorfall unternommen?
Plüss: Skyguide hat ihre Hausaufgaben gemacht, aber das reicht nicht aus. Bei diesem Vorfall war ein Vermessungsflieger involviert. Diese dürfen nun wieder nachts fliegen, um die Komplexität zu reduzieren. Skyguide hat zudem zu Spitzenzeiten mehr Personal im Tower und einen zusätzlichen Kontrollsektor geschaffen, um die Arbeit besser zu verteilen. Technische Systeme wurden verbessert und Alarme werden früher ausgelöst. Aber die grossen Würfe – die Entflechtung der Routen und der «16 straight» – werden vom Flughafen und der Politik verhindert.
Helfen Pistenverlängerungen?
Ledermann: Jeder Meter mehr Piste ist ein Meter mehr Sicherheit, wenn es darum geht, das Flugzeug im Notfall noch auf der Piste zum Sillstand zu bringen.
Plüss: Ob diese paar Meter ausreichen, damit beispielsweise auch schwere Langstreckenflieger auf der Piste 28 starten können, kann ich nicht beurteilen.
Eine Verlagerung der Kleinfliegerei nach Dübendorf?
Plüss: Da kleine Flugzeuge langsamer sind als grosse, erhöhen sie die Komplexität. Nicht mehr auf Cessnas und Pipers achten zu müssen, würde den Betrieb vereinfachen.
Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass sich am Flughafen Zürich zugunsten der Effizienz und Sicherheit etwas tut?
Ledermann: Ich befürchte, dass sich die Fluglärmgegner weiter durchsetzen werden und die Schweiz als Luftfahrtstandort ins Hintertreffen gerät, vor allem wenn man sieht, wie Hubs in der Türkei und im Mittleren Osten ausgebaut werden.
Plüss: Ich habe das Gefühl, dass der Druck noch nicht gross genug ist, um sich in dieser Frage zu bewegen. Meine Befürchtung ist, dass dies erst der Fall sein wird, wenn etwas Gröberes passiert. Wenn man das System nicht vereinfacht, ist es eine Frage der Zeit, bis wir einen weiteren schweren Vorfall haben werden. ()
(Erstellt: 03.06.2016, 12:04 Uhr)
http://www.zsz.ch/ueberregional/weiterer-vorfall-ist-eine-frage-der-zeit/story/12450802

Fluglärm Thurgau

FRAUENFELD. Der Zürcher Fluglärmindex erfasst auch Gebiete in den Nachbarkantonen, die unter Fluglärm leiden. Der neue Index zeigt: Die Zahl der Fluglärmgeplagten im Thurgau steigt. Dies wegen der stärkeren Belastung in der Nacht.

CHRISTOF WIDMER

Im Thurgau leben mehr Fluglärmopfer als in Süddeutschland. Das geht aus dem letzte Woche veröffentlichten Zürcher Fluglärmindex hervor. Laut dem Index waren letztes Jahr 280 Thurgauerinnen und Thurgauer stark vom Fluglärm betroffen. Zum Vergleich: In Süddeutschland, wo sich Bevölkerung und Politik vehement gegen die Belastung durch den Flughafen Zürich wehren, litten laut dem Zürcher Index 100 Personen unter dem Lärm.

Die Zahl der Lärmgeplagten im Thurgau stieg damit erneut. Im Vorjahr waren es noch 213 und 2010 waren es 119. Die Zahl von 280 ist immer noch sehr klein im Vergleich zu den über 61’000 Personen, die vor allem im Kanton Zürich unter dem Fluglärm leiden. Doch für die Fluglärmgegner belegt sie quasi amtlich, dass es Fluglärm im Thurgau gibt – und dass die Zahl der stark Betroffenen anwächst. «Der Fluglärmindex bestätigt, was wir hören», sagt Josef Imhof, Präsident des Bürgerprotests Fluglärm Hinterthurgau. Vor allen die Starts in den Nachtstunden seien eine Belastung für die Bevölkerung im Hinterthurgau.

Lärm, den jemand im Bett hört

Tatsächlich weist der Fluglärmindex für den Thurgau nur in den Nachtstunden stark belastete Personen aus – vor allem in den Gemeinden Bichelsee-Balterswil und Eschlikon, aber auch in Fischingen, Sirnach und Aadorf. In den Nachtstunden wendet der Index strengere Kriterien an als tagsüber. Das Problem seien die Starts von Langstreckenmaschinen spätabends, die über den Hinterthurgau geleitet werden, sagt Imhof. Der Flughafen Zürich heble mit dem Abbau von Verspätungen das Nachtflugverbot aus. Eigentlich gelte ab 23 Uhr eine Flugsperre.

Was Imhof Sorgen bereitet: Mit dem beim Bund beantragten neuen Betriebsreglement will der Flughafen zwar An- und Abflüge über dem Hinterthurgau entflechten, so dass nur noch Anflüge über die Region führen. Ausgerechnet ab 22 Uhr sollen aber auch die Abflüge über den Hinterthurgau geführt werden – also dann, wenn die Bevölkerung schon unter Fluglärm leidet.

Haag: «Vehement wehren»

«Die steigende Zahl im Zürcher Fluglärmindex bestätigt unsere Erkenntnisse aus unseren Fluglärmmessungen im Hinterthurgau», sagt die für die Fluglärmproblematik zuständige Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag. Auch die Auswertung der Thurgauer Messungen in Balterswil zeigten eine zunehmende Belastung nach 23 Uhr. Es gebe immer mehr späte Flüge. Deshalb lehne der Thurgau die im Entwurf zum Betriebsreglement vorgesehenen Abflüge ab 22 Uhr ab. «Dagegen werden wir uns weiterhin vehement wehren.» Unter dem Tag würde das Betriebsreglement dem Thurgau schon eine Mehrbelastung bringen: Zwar fallen pro Jahr 3000 Abflüge bis 22 Uhr weg, dafür bringt es 4000 neue Anflüge.

Haag nennt es positiv, dass der Zürcher Fluglärmindex die betroffenen Thurgauer Gemeinden berücksichtigt. Der Regierungsrat schlägt dem Grossen Rat vor, die eigenen Thurgauer Messungen aus Kostengründen einzustellen. Fluglärmgegner Imhof fordert aber, dass die Messungen weitergeführt werden.

Beim Fluglärmindex handelt es sich nicht um direkte Messungen, sondern um eine Berechnung durch die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa). Diese stützt sich unter anderem auf den Fluglärmnachweis für den Flughafen sowie Daten zur Bevölkerung und zur Bauweise von Gebäuden.

http://www.thurgauerzeitung.ch/ostschweiz/thurgau/kantonthurgau/tz-tg/Mehr-Fluglaermopfer-im-Thurgau-belegt;art123841,4445287

Kommentar:

Genau: Das Hauptproblem sind die Starts von Langstreckenmaschinen spätabends.  Eigentlich gilt ab 23 Uhr eine Flugsperre!

Die IG Stiller fordert Nachtruhe ab 22 Uhr – auch für Flugkärm. Keine Nachtflüge!

Lärm verursacht Krankheitskosten in Milliardenhöhe

Herz­in­fark­te, Schlag­an­fäl­le, Psy­cho­sen: Lau­te Flug­zeu­ge ver­ur­sa­chen Krank­heits­kos­ten in Mil­li­ar­den­hö­he

Was nächt­li­chen Flug­lärm be­trifft, sind die Bas­ler am schlech­tes­ten dran. Dort dür­fen von 24 Uhr bis 5 Uhr kei­ne Flug­zeu­ge star­ten oder lan­den. Am Flug­ha­fen Zü­rich gilt die Nacht­flug­sper­re von 23 bis 6 Uhr, in Genf von 24 bis 6 Uhr. Ei­ne par­la­men­ta­ri­sche In­itia­ti­ve for­dert nun gleich lan­ge Nacht­flug­sper­ren. Vor­aus­sicht­lich mor­gen wird im Na­tio­nal­rat dar­über de­bat­tiert. Ei­ner der be­kann­tes­ten For­scher im deutsch­spra­chi­gen Raum zu die­sem The­ma ist der deut­sche Epi­de­mio­lo­ge Eber­hard Grei­ser. Im Auf­trag der deut­schen Um­welt­bun­des­amts hat er wie­der­holt die ge­sund­heit­li­chen Fol­gen von Flug­lärm un­ter­sucht.

Was ist punk­to Flug­lärm heu­te ge­si­chert?

Wis­sen­schaft­lich ge­si­chert ist, dass Flug­lärm, ins­be­son­de­re nächt­li­cher, zu Blut­hoch­druck führt. Das er­höht das Ri­si­ko für das gan­ze Spek­trum an Ge­fäss­krank­hei­ten. Men­schen, die Flug­lärm aus­ge­setzt sind, be­kom­men mehr Herz­in­fark­te, mehr Schlag­an­fäl­le, sie lei­den öf­ter an Herz­schwä­che, an Nie­ren­schwä­che und an De­menz we­gen «Ar­te­ri­en­ver­kal­kung».

Wirkt sich der Lärm auch auf die Psy­che aus?

Schlaf­dau­er und Schlaf­stö­run­gen ha­ben ei­nen Ein­fluss auf psy­chi­sche Er­kran­kun­gen. Ver­kürzt Lärm den Schlaf oder wech­selt der Schla­fen­de da­durch in ei­ne an­de­re Schlaf­pha­se, wirkt sich das aus. In Ge­gen­den, in de­nen Flug­lärm den Schlaf be­ein­träch­tigt, stei­gen die Häu­fig­keit von De­pres­sio­nen und Psy­cho­sen wie Schi­zo­phre­nie.

Könn­te das nicht dar­an lie­gen, dass in Flug­schnei­sen oft die Woh­nun­gen preis­wer­ter sind? Das zieht Mie­ter an, die we­nig ver­die­nen und oft auch un­ge­sün­der le­ben oder krän­ker sind als Bes­ser­ge­stell­te.

Die so­zio­öko­no­mi­schen Fak­to­ren ha­ben wir na­tür­lich be­rück­sich­tigt. Da­bei zeig­te sich, dass lärm­be­ding­te Ge­sund­heits­schä­den vor al­lem die Bes­ser­ge­stell­ten tref­fen. In so­zi­al schlech­ter ge­stell­ten Stadt­tei­len tre­ten die ent­spre­chen­den Er­kran­kun­gen in frü­he­rem Al­ter auf, da kommt der Lärm als Fak­tor gar nicht so zum Tra­gen.

Ist die schäd­li­che Wir­kung des Lärms al­so ver­nach­läs­sig­bar?

Nein. Lärm ist – je nach Do­sis – ein re­le­van­tes Ge­sund­heits­pro­blem. Sta­tis­tisch kann er das Ri­si­ko für be­stimm­te Er­kran­kun­gen ver­dop­peln, zum Bei­spiel für De­pres­sio­nen oder De­menz. Das ist hea­vy.

Dia­be­tes und so­gar Krebs tre­ten in der Um­ge­bung des Frank­fur­ter Flug­ha­fens mess­bar häu­fi­ger auf. Wie er­klä­ren Sie sich das?

Bei we­nig Schlaf es­sen vie­le Men­schen mehr und wer­den di­cker. Das be­güns­tigt die Zu­cker­krank­heit. Was Krebs be­trifft, ha­ben wir in den flug­lärm­be­las­te­ten Ge­gen­den tat­säch­lich mehr Fäl­le. Ich bin aber nicht si­cher, ob dies am Lärm liegt oder et­wa an den Ab­ga­sen, die die Flug­zeu­ge aus­stos­sen.

Vie­le Stu­di­en sind in der Nä­he sehr gros­ser Flug­hä­fen ge­macht wor­den. Kann man das auf die Schwei­zer Ver­hält­nis­se über­tra­gen?

Wenn Sie Lärm­pe­gel über 40 De­zi­bel ha­ben und ei­ne Be­völ­ke­rung, die da­von be­trof­fen ist, dann ha­ben Sie auch ge­sund­heit­li­che Aus­wir­kun­gen. Das ist all­ge­mein­gül­tig.

Kann man die Kos­ten der Lärm­schä­di­gung be­zif­fern?

Wir ha­ben das am Bei­spiel des Flug­ha­fens Frank­furt für sechs Dia­gno­se­grup­pen, zum Bei­spiel Herz-Kreis­lauf-Krank­hei­ten, Dia­be­tes und De­pres­sio­nen, ge­schätzt. Über zehn Jah­re ist dort mit rund 23 000 Er­kran­kun­gen zu rech­nen, die dem Lärm zu­zu­schrei­ben sind. Schät­zungs­wei­se 3400 die­ser Pa­ti­en­ten wer­den an ih­rer Krank­heit ster­ben. Die Krank­heits­kos­ten lie­gen bei über 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Ih­re ak­tu­ells­te Stu­die be­fasst sich mit dem Schie­nen­ver­kehr. Wie sieht die Lärm­si­tua­ti­on dort aus?

Es gibt da­zu kaum or­dent­li­che epi­de­mio­lo­gi­sche Stu­di­en. Ich ha­be es für den deut­schen Be­reich der Trans­ver­sa­le Rot­ter­dam–Ge­nua ge­schätzt. Gel­ten die glei­chen An­nah­men wie beim Flug­lärm, ver­ur­sacht der Bahn­ver­kehr dort auf zehn Jah­re hoch­ge­rech­net cir­ca 70 000 Krank­heits­fäl­le und na­he­zu 30 000 To­des­fäl­le.

Der deut­sche Ver­kehrs­mi­nis­ter will den Schie­nen­lärm bis 2020 hal­bie­ren. Das ist doch was.

Ja, aber wenn Sie die Laut­stär­ke von 80 De­zi­bel hal­bie­ren, dann ha­ben Sie im­mer noch 77 De­zi­bel Laut­stär­ke. Das ist um Di­men­sio­nen lau­ter als der stärks­te Flug­lärm. Der Blut­druck kann aber be­reits ab ei­ner Be­las­tung mit ei­nem Dau­er­schall­pe­gel ab 35 De­zi­bel stei­gen.

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Der Epi­de­mio­lo­ge Eber­hard Grei­ser ist Pro­fes­sor am Zen­trum für So­zi­al­po­li­tik der Uni­ver­si­tät Bre­men und In­ha­ber der Fir­ma Epi.​Consult

Sonntagszeitung. 8.3.15. Mar­ti­na Frei: http://www.sonntagszeitung.ch/read/sz_08_03_2015/gesellschaft/Fluglaerm-macht-depressiv-29245

 

Kommentar: Die IG Stiller fordert auch für Flughäfen eine Nachtruhezeit von 22-7 Uhr.

Ruhezeiten für Helikopterlärm

Essen. Der Winter geht, und bei den Anwohnern am Flugplatz wächst die Angst vor starkem Lärm durch Hubschrauber-Rundflüge, gerade an den Wochenenden. „Am letzten Wochenende“, beklagt ein Anwohner, „gab es von 10 bis 17 Uhr nahezu nonstop Helikopterverkehr.“ Rund 200 Flüge hat er dabei errechnet und urteilt wie seine Nachbarn: unzumutbar am Wochenende! „Nervtötendes Geräusch. Wenn das so weitergeht, wird der Sommer wieder zum Alptraum“, heißt es in einer anderen Beschwerde. Das Netzwerk Mülheimer Bürger gegen Fluglärm fordert die Politik auf, ein klares politisches Signal zum Verbot dieser Flüge zu setzen. „Die Hubschrauberfirmen haben von ihrer freiwilligen Verpflichtung, an Sonn- und Feiertagen in der Mittagszeit keine Flüge zu absolvieren, Abstand genommen“, kritisiert der Sprecher des Netzwerks, Waldemar Nowack.Der größte Anbieter von Hubschrauber-Rundflügen ist das Flugunternehmen Aveo. Deren Geschäftsführer Dietmar Rieß widerspricht den Beschwerden: „Wir halten uns nach wie vor an die Mittagszeiten, es sei denn, im dunklen Winter gibt es geschäftliche Verpflichtungen, die die Einschränkung nicht zulassen.“ Auch die geänderten Flugrouten, die Anwohner vor zu großem Lärm schützen sollen, halte man ein. Rieß ist davon überzeugt, dass das Problem längst nicht so groß ist, wie in der Öffentlichkeit diskutiert: „Es sind bei der Bezirksregierung in 18 Monaten nur 20 Beschwerden über Fluglärm eingegangen.“ Angesichts von fast 75 000 Flugbewegungen insgesamt in der Zeit sei das lächerlich wenig.Das Netzwerk sieht das völlig anders: Längst nicht jeder beschwere sich direkt bei der Bezirksregierung. Außerdem, so Nowack, würden Beschwerdeführer dort häufig auch wiederholt „abgeblockt“.

Wie aus der jüngsten Sitzung der Lärmschutz-Kommission zu erfahren war, ist die Zahl der Hubschrauber-Flüge im vergangenen Jahr von rund 5800 auf 5000 zurückgegangen, die reinen Rundflüge von 2400 auf 2200. Ein Grund sei die Nachfrage an anderen Flugplätzen, so Rieß. Die Flüge zu verbieten, sagt Wolfgang Sauerland von der Flugplatz-Verwaltung, sei nicht möglich. „Wir sind ein öffentlicher Platz und dürfen gar nicht eingreifen.“ Was die Störungen in der Mittagszeit angehe, könne er immer wieder nur an die Firmen appellieren – was er tue.

In der Bürgerschaft verstehen viele nicht, warum die Sonntagsruhe und die Lärmschutzverordnung für Hubschrauber nicht gelten. Der Grund: Sie sind in der Landeplatz-Lärmschutzverordnung aus den 1990er Jahren nicht drin: Da diese Maschinen keine Möglichkeiten haben, ihren Lärm zu reduzieren, nahm der Bund sie von den Einschränkungen aus.

Die Schutzgemeinschaft Fluglärm aus Essen hat beim Verwaltungsgericht Klage dagegen eingereicht. Mit der Verhandlung wird im Herbst gerechnet. Danach könnte es ruhiger werden (http://www.derwesten.de/staedte/essen/neue-klagen-ueber-helikopter-laerm-aimp-id10434899.html).

Kommentar:Es ist erstaunlich, wie wenig über Helikopterlärm diskutiert wird. Beängstigend sind insbesondere die extreme Lautstärke niedrig fliegender Helikopter und die kontinuierliche Zunahme. Im Gegensatz zum Fluglärm und Strassenlärm gibt es keine staatliche Unterstützung bei Lärmschutzmassnahmen.
Einige der wenigen Forderungen nach weniger Helikopterlärm in der Schweiz findet sich im Politnetz (1). Unter dem Titel „Helikopterlärm stört! für Fluglärmfreie Ruhezeiten verlangt ein Grüner Lokalpolitiker (Felix Glatz-Böni): „Das lärmige Knattern von Helikoptern über erholungssuchenden Einwohnerinnen und Einwohnern stört. Einige wenige haben das Vergnügen, viele andere aber haben den Lärm zu erdulden! Deshalb fordere ich ein Verbot von Freizeit- und Vergnügungsflügen während der ordentlichen Ruhezeiten. „Auch Helikopter haben Ruhezeiten verdient:-)““
Etwas seriöser war die Interpellation von Ständerat Luc Recordon vom 11.06.2012 (2) betreffend Einschränkung privater Helikopterflüge. „Der Einsatz von Helikoptern im öffentlichen Interesse oder zum Nutzen der Allgemeinheit (Rettung, Truppentransporte, Erfassung von Geodaten usw.) lässt sich gut begründen, auch die damit verbundenen Immissionen für die Bevölkerung, wenngleich diese natürlich so weit als möglich begrenzt werden müssen. Anders sieht es bei Helikopterflügen, Landungen und Starts zu privaten Zwecken aus. Es scheint aber so zu sein, dass für solche privaten Einsätze nicht einmal die Zustimmung der lokalen Behörden erforderlich ist und dass demnach auch keine Abwägung der öffentlichen und der privaten Interessen vorgenommen werden muss, auch nicht namentlich mit Blick auf die Lärmbekämpfung. Angesichts der mit Helikopterflügen verbundenen Immissionen ist das problematisch. Die Gesetzgebung scheint lückenhaft zu sein.“Wie die Antwort des Bundesrates zeigt, sind keine wesentlichen Einschränkungen dieser Lärmquelle geplant und nach wie vor muss mit einer starken Zunahme gerechnet werden. Eine Regulierung privater Helikopterflügeist ist  dringend notwendig – nicht nur im Alpenraum – sondern auch im Siedlungsraum.
 
1) http://www.politnetz.ch/artikel/17025-helikopterlaerm-stoert-fuer-fluglaermfreie-ruhezeiten
2) http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20123468)

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