KategorieFluglärm

Noch mehr Fluglärm?

Einheitlich geregelter Luftraum über Europa kann Zahl der Flüge verdreifachen

Verbandsgemeinde GAU-ALGESHEIM (Rheinland-Pfalz) – Auf den ersten Blick verheißt die Statistik weniger Lärm über dem Rhein-Main-Gebiet. Seit der Eröffnung der Landebahn Nord-West sinkt die Zahl der Flüge vom und zum Frankfurter Airport kontinuierlich – von rund 487 000 im Jahr 2011 auf 466 000 2014. Dabei war während der Ausbau-Mediation die Zahl der Flugbewegungen für das Jahr 2015 noch auf 660 000 geschätzt worden. Obwohl diese Annahme weit unterschritten wurde, droht der Region neues Ungemach.

Verantwortlich dafür ist nach Darstellung des VG-Fluglärmbeauftragten Lothar Hirtes das Programm zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Luftraumes. An dem Projekt „Sesar“ arbeiten – so Hirtes in einem Bericht an den VG-Rat – die Flugsicherungen von zwölf Ländern seit knapp zehn Jahren. „Die Einführung des Programms soll bis 2020 abgeschlossen werden“, ließ der VG-Beauftragte wissen.

Hirtes räumte ein, dass das Projekt trotz der langen Vorbereitung erst jetzt öffentlich bekannt geworden sei. Das System sieht steilere Ab- und Anflüge vor, wobei Anstieg und Annäherung an das Ziel nicht mehr in Stufen und mit finalem Tiefflug bewältigt, sondern kontinuierlich gestaltet werden sollen.

Hirtes: „Man geht davon aus, dass sich das Sicherheitsniveau um den Faktor zehn erhöht und der Treibstoffverbrauch um zehn Prozent verringert wird.“ Etwaige Hoffnungen auf weniger Fluglärm mache aber die Einschätzung zunichte, so der VG-Beauftragte, dass mit „Sesar“ die Erwartung verbunden sei, die „Flugkapazität zu verdreifachen“. Somit werde der erhoffte Effekt der Lärmreduzierung mehr als aufgehoben.

Der VG-Beauftragte unterstrich, dass der Fluglärm abgenommen habe – „allerdings nur in Hessen“. Dagegen sei die Belastung der Bewohner nach Rheinhessen verschoben worden. Beispiel Schwabenheim: Bei 240 Überflügen an einem Juli-Tag 2014 wurde in rund 100 Fällen der Wert von 60 Dezibel überschritten. Für Wiesbaden weist die Statistik für denselben Tag lediglich vier Überflüge mit mehr als 60 Dezibel aus.

Im vergangenen Jahr lösten die 466 000 Flugbewegungen über Rhein-Main rund drei Millionen Beschwerden beim Deutschen Fluglärmdienst aus. Aus der Verbandsgemeinde wurden rund 182 000 Beschwerden bekannt – davon allein 135 000 aus dem Bereich Schwabenheim/Wörrstadt. Aus der Region um Gau-Algesheim kamen 45 000 Klagen über Fluglärm.

Angesichts des geplanten dritten Terminals und der Mutmaßungen um den Bau einer „Südbahn“ riet Hirtes den rheinhessischen Landkreisen und der Stadt Mainz zur Bildung einer „Kommunalen Arbeitsgruppe Fluglärm“, um auf das hessische Planungsgeschehen Einfluss zu nehmen. Die Landesregierung müsse dafür eintreten, dass der für Hessen geltende Lärmaktionsplan auf Rheinhessen ausgedehnt wird.

Den Bürgern legte der VG-Beauftragte ans Herz, sich noch stärker als bisher an den Demonstrationen gegen Fluglärm zu beteiligen.

Von Klaus Rein

18.02.2015

Quelle: http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/bingen/vg-gau-algesheim/vg-gau-algesheim/der-region-droht-mehr-fluglaerm_15028984.htm

Fluglärm am Beispiel Ostschweiz

Der Fluglärm hat in den letzten Jahren stark zugenommen und ist speziell während der Ruhezeiten ein Problem. Es muss befürchtet werden, dass die Belastung weiter steigt – speziell auch in der Ostschweiz

Lärm wird von den Behörden nicht bekämpft sondern dokumentiert. So auch beim Fluglärm. Der eidgenössische Immissionsgrenzwert liegt:
– tagsüber bei 60 dB,
– zwischen 22 und 23 Uhr bei 55 dB und
– zwischen 23 und 6 Uhr bei 50 dB.

Es sind Durchschnittswerte. Einzelne laute Ereignisse werden damit kaum berücksichtigt. Auch bei 15 nächtlichen Fluglärmereignissen pro Stunde mit Spitzenwerten bis zu 70 dB wird der nächtliche Grenzwert nicht erreicht (siehe Graphik).

grafik

Da verschiedentlich Gesundheitsschäden durch nächtlichen Lärm von mehr als 40 dB aber nachgewiesen wurden, sind die Grenzwerte offensichtlich zu hoch. Ein akzeptabler Durchschnittswert für die Nacht wäre 40 dB (WHO – Noise-Guideline_2009(1)).

Doch Durchschnittswerte interessieren die Betroffenen wenig. Ein einzelnes Flugzeug in der Nacht kann sie aus dem Schlaf reissen. Die vielen Flugzeuge zwischen 22 und 23.30 Uhr stören sie beim Einschlafen.

Eine Dokumentation des Fluglärms in der Ostschweiz präsentiert der Kanton Thurgau (Fluglärm-Monitoring Hinterthurgau: http://www.dbu.tg.ch/xml_41/internet/de/application/d3386/d7049/f7050.cfm).

Es besteht die Gefahr, dass selbst diese Grenzwerte überschritten werden – speziell zwischen 22 und 24 Uhr. Im “Fluglärm-Monitoring Hinterthurgau” findet sich dazu folgende Einschätzung: In den beiden Nachtstunden von 22 – 23 und 23 – 24 Uhr kommt es vor, dass an einzelnen Tagen, laute Flugzeuge eine Planungswert­überschreitung auslösen. Werden diese lauten Flugbewegungen in den Nachtstunden zur Regel, könnte die jahresdurchschnittliche Fluglärmbelastung in diesen beiden Belastungszeiträumen den Planungswert erreichen bzw. überschreiten.

Aus den Daten aus dem Thurgau geht auch hervor, dass wir in der Ostschweiz gerade zwischen 22 und 24 Uhr eine dramatische Zunahme des Fluglärms zwischen 2008 und 2013 zu verzeichnen hatten. Nachgewiesen wurde diese für Bichelsee-Balterswil und Fischingen – sie dürfte aber grosse Gebiete der Ostschweiz betreffen. Zwischen 22 und 23 Uhr hat die Belastung um zwei Dezibel zugenommen, zwischen 23 und 24 Uhr sogar um sieben Dezibel: TZ_2013_03_16_Fluglaerm (Nachtfluglärm lässt Hinterthurgau nicht schlafen. Matias Frei. St.Galler Tagblatt, 16. März 2013).

Unabhängig von dieser Dezibel-Diskussion müssten gemäss dem im Umweltschutzgesetz verankerten Vorsorgeprinzip Emissionen so weit begrenzt werden, wie dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist.

Die Lärmsensiblen fordern deshalb für Flughäfen eine Nachtruhe von 22 bis 7 Uhr. Ohne Ausnahmen. Zusätzlich muss der Einsatz lärmarmer Flugzeugtypen durch höhere Lärmgebühren stärker gefördert werden.

 

Neue Webseite laermsensible.org

1407_laermsensible_logoLiebe Besucherinnen und Besucher

Wir freuen uns über Ihren Besuch auf unserer Webseite.

Helfen Sie mit beim Kampf gegen Lärm.

Werden Sie Mitglied!

Besten Dank
Dr. Samuel Büechi

© 2019 Lärmsensible

Theme von Anders NorénNach oben ↑