KategorieGlockenlärm

Peter Payer: „Heiliger Lärm“

Zitat aus dem Buch VOM GERÄUSCH ZUM LÄRM, Zur Geschichte des Hörens im 19. und frühen 20. Jahrhundert von Peter Payer

„Besonders laute, Furcht und Respekt einflößende Geräusche wurden in vielen Gesellschaften als „Stimme“ einer göttlichen Instanz verstanden. Dazu gehörten Naturlaute wie Donner, mit dessen Kraft oberste Gottheiten wie Zeus und Thor ausgestattet waren, Vulkanausbrüche und Sturmgeräusche, aber auch die lärmende Inbrunst bei religiösen Gesängen und Tänzen oder das Läuten der Kirchenglocken und der dröhnende Klang des Orgelspiels. Der „Heilige Lärm“ stellte ein gesellschaftliches Tabu dar, war von jeder Kritik ausgenommen, wodurch der ihn produzierenden Gemeinschaft die Autorität zukam, ihn ohne Zensur auszuüben.“

http://www.stadt-forschung.at/download/Vom%20Geraeusch%20zum%20Laerm.pdf

Bild: Thor (von Mårten Eskil Winge, 1872)

Wider die Vernunft

IG Stiller

Kommentar zum Bundesgerichtsurteil vom 13.12.17 betreffen nächtlichen Viertelstundenschlag in Wädenswil.

Einführung

Einmal mehr wird Tradition höher bewertet wie die Gesundheit. Die 10 % der Schweizer Bevölkerung welche durch nächtlichen Kirchenglockenlärm gestört werden, sind mit diesem Entscheid einmal mehr im Stich gelassen worden. Aber auch das fünfte negative BG-Urteil wird nicht das letzte sein. Der nächtliche Zeitschlag führt nämlich genauso zu Stressreaktionen wie anderer Lärm. Der nächtliche Zeitschlag schadet der Gesundheit der Schweizer Bevölkerung! Wir bleiben dran.

Aufweckreaktion

Das BG argumentiert mit den Aufwachreaktionen und dem fehlenden Grenzwert. Es findet zwei Aufweckreaktionen pro Nacht ok. Ob zwei Aufwachreaktionen pro Nacht toleriert werden müssen ist – und da geben wir dem BG recht – eine politische Frage – genau wie beim Strassen-, Schienen- und Fluglärm.

Ob das BG auch vier Aufwachreaktionen tolerieren würde, ist nicht geklärt. Nie diskutiert wurde ausserdem die schädliche Wirkung des nächtlichen Zeitschlages auf das Einschlafen. Die Gerichte werden sich also weiter mit dem Thema beschäftigen.

 ETH Studie

Die Kritik an der ETH Studie ist an den Haaren herbei gezogen, weil den Richtern die Aussage der Studie nicht gefällt. Die vom Bund finanzierte und auch von namhaften Akustikkern der EMPA unterstützte Studie – wurde sorgfältig geplant und überwacht, sie konnte in einer anerkannten wissenschaftlichen Zeitschrift publiziert werden. Vorallem aber werden mit der ETH Studie Resultate der Fluglärmforschung bestätigt! Aufweckreaktionen können schon unter 40 dB beobachtet werden. Dies ist nach wie vor unbestritten und für uns die zentrale Aussage der Studie.

Tradition

Das BG argumentiert im weiteren mit der Tradition. Damit wurde auch die Sklaverei verteidigt. Traditionelle Mullahs verteidigen damit auch heute noch die Klitorisbeschneidung. Genauso wie das BG bewerten diese Mullahs die Tradition als wichtiger wie die Gesundheit.

In Städten wie Zürich, Winterthur und St. Gallen haben etwa jede zweite Kirche den nächtlichen Zeitschlag verdünnt oder abgestellt. Tradition ist also wandelbar und die Tradition des nächtlichen Zeitschlages ganz offensichtlich auf dem Rückzug.

 Fazit

Das aktuelle BG Urteil wird keinen grossen Einfluss auf den Rückgang des nächtlichen Zeitschlages haben, weil die allermeisten Entscheide für mehr Nachtruhe nicht durch Gerichtsurteile sondern durch Kirchengremien erfolgt sind, welche begriffen haben, dass es nicht Funktion der Kirchen sein kann, den Anwohnern den Schlaf zu rauben und damit ihre Gesundheit zu gefährden.

 

Version vom 17.12.2017

 

 

 

 

Kulturkampf auf dem Nacken der Kuh

 

 

Der Film mit der weidenden Bio Suisse Kuh wurde Ende September 2017 in Trogen aufgenommen.

Hier in der Ostschweiz  findet sich in fast jedem Dorf mindestens eine Bauernfamilie, welche die Tradition der Kuhglocken durch Verwendung übergrosser Glocken endgültig korrumpiert. Leider kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich dabei teilweise um Trotzreaktionen handelt, welche auf Aktivitäten der IG Stiller zurückzuführen sind.

Die Veterinärämter der Kantone St.Gallen und beider Appenzell haben 2015 auf Anraten der IG Stiller drei Fälle untersucht, bei denen weidende Kühe übergrosse Glocken tragen mussten. Fazit der Veterinärmediziner: Solange keine sichtbaren Wunden auftreten, ist das den Tieren zumutbar.

Eine der drei betroffenen Bauernfamilien hat schon 2017 wieder zum ganz grossen Geschütz gegriffen (Film). Eine der damals betroffenen Bauernfamilien verzichtet seither auf die Riesenglocke. In der Folge haben dafür zwei ihrer Nachbarn begonnen im Herbst jeweils einer Kuh eine solche anzuhängen. Es geht schliesslich um die Freiheit des Bauernstandes!

Aufgrund von älteren Umfragen wissen wir, dass der Schweizer Tierschutz und verschiedene Lebensmittel-Labels, wie Bio Suisse, Coop Naturaplan, Demeter und andere, es ebenfalls nicht für nötig finden, die Grösse der Glocken zu limitieren.

Kommt dazu, dass die Lebensmittelindustrie Ihre Milchprodukte oft mit weidenden Kühen mit grossen Glocken schmückt. Mit der Folge, dass dies viele Menschen als ganz normal ansehen.

Die IG Stiller hat deshalb im „Stillen Weissbuch“ Vorschläge für die Limitierung der Grösse von Tierglocken publiziert.

Immerhin kann aufgrund jahrzehntelanger Beobachtung auch festgestellt werden, dass heute deutlich mehr Bauernfamilien auf die Verwendung von Glocken verzichten als früher – auch im Appenzellerland.

Samuel Büechi, Trogen AR, Anfang Oktober 2017

Lärmumfrage Trogen 2016

 Einführung

Geräusche, welche störend, belastend oder schädigend sind, werden als Lärm bezeichnet. Das Wort wird von Alarm abgeleitet, welches seinerseits auf all’arme „zu den Waffen“ zurückgeht. Lärm führt zu Stress und Aggression sowie zu Gesundheitsschädigungen wie Erkrankungen des Nerven- und des Herz-Kreislauf-Systems. Das betrifft auch Menschen, welche Lärm nicht mehr bewusst wahrnehmen, weil Lärm auch in diesen Fällen – trotz scheinbarer Gewöhnung – weiter auf Psyche und Körper wirkt. Die vorliegende Umfrage ist die vierte Lärmumfrage der IG Stiller. Die erste Umfrage fand 2003 ebenfalls in Trogen statt.

Methode

Ende August 2016 erhielten alle Haushaltungen von Trogen (821) einen Fragebogen. Dieser richtete sich an diejenigen, welche zu Hause durch Lärm gestört werden. Die Angaben konnten für verschiedene Lärmarten in drei Stufen angegeben werden: 1 (wenig), 2 (mittel) und 3 (stark).

Resultate

Bis Anfang Oktober 2016 sind 68 Rückmeldungen eingegangen. 56 Rückmeldungen konnten in die Auswertung einbezogen werden. Strassenlärm verursacht am meisten Störungen. Keine andere Lärmart stört tagsüber auch nur annähernd so stark wie Strassenlärm. Speziell störend sind laute Motorräder und vermeidbarer Strassenlärm wie hochtourige Fahrweise, Aufheulen lassen des Motors oder laute Musik. Weitere wichtige Lärmquellen während dem Tag sind Flugverkehr  und „Gewerbe/Land­wirtschaft“. In der Nacht fallen neben Strassenlärm speziell Fluglärm und Herdengeläut auf. Bei einer gewerteten Auswertung, wenn alle leichten Störungen mit 1, die mittleren mit 2 und die starken mit 3 gewertet werden, ergibt sich eine ähnliche Rangordnung. Strassenlärm steht auch bei dieser Auswertung auf dem ersten Platz – am Tag mit 91 Pun­k­ten in der Nacht mit 66 Punkten. Den zweiten Platz teilen sich am Tag Flugverkehr und Gewerbe/Landwirtschaft mit je 37 Punkten – in der Nacht Flug­ver­­kehr und Herdengeläut mit je 41 Punkten. Weitere Störquellen mit mehr als 20 Punkten sind Veranstaltungen, Hundegebell und Nachbarn sowie Kirchen­glocken nachts. 

Diskussion

Die Lärmempfindlichkeit der Menschen variiert stark. Während die einen zum Beispiel auch mit Geräuschen von 60 dB nur schwer geweckt werden können, erwachen andere schon leicht wegen Geräuschen von 40 dB. Unabhängig von dieser Empfindlichkeit kann Lärm nicht nur Stress und Aggression sondern auch Krankheiten und Todesfälle verursachen. So wurde berechnet, dass durch Verkehrslärm schweizweit jährlich knapp 1800 beschwerdefreie Lebensjahre verloren gehen – 85% durch Todesfälle und 15% durch Krankheitsfälle (BAFU: Auswirkungen des Verkehrslärms auf die Gesundheit. Schlussbericht. 22. April 2014).

Speziell störend am Strassenlärm sind laute Motorräder und vermeidbarer Strassenlärm wie hochtourige Fahrweise, Aufheulen lassen des Motors oder laute Musik. Vermeidbarer Lärm ist durch das Strassenver­kehrs­gesetz geregelt: „Der Fahrzeugführer hat jede vermeidbare Belästigung von Strassenbenützern und Anwohnern, namentlich durch Lärm, Staub, Rauch und Geruch, zu unterlassen …. Der Betrieb von Lautsprechern an Motorfahrzeugen ist untersagt… “. Speziell geschützt sind die Ruhezeiten: „Fahrzeugführer, Mitfahrende und Hilfspersonen dürfen, namentlich in Wohn- und Erholungsge­bieten und nachts, keinen vermeidbaren Lärm erzeugen“ (Verkehrsregelverord­nung). „Wer mut­willig durch Lärm die Nachtruhe stört, wer in grober Weise die Ruhe an Sonn- und Feiertagen stört, wird mit Busse bestraft“ (kantonales Strafrecht). Im Gegensatz zum Kanton St. Gallen, welcher immerhin mit Plakaten auf das Problem vermeidbarer Strassenlärm aufmerksam macht, konnten in Ausserrho­den bisher keine entsprechenden Massnahmen festgestellt werden. Die IG Stiller fordert ein Verbot der Verwendung lauter Motorfahrzeuge während der Ruhezeiten – analog wie für Lastwagen. Heute stehen mit Elektro-Motorräder und Elektro-Fahrrädern ruhigere Alternative zur Verfügung.   

Eigentlich gibt es in der Ostschweiz keinen Fluglärm da der Grenzwerte von 60 dB kaum überschritten wird. Der Grenzwert entspricht allerdings nicht dem Stand der Wissenschaft sondern ist ein politisch festgelegter Wert. Auch beim Fluglärm muss aber schon bei unter 40 dB mit Aufwachreaktionen gerechnet werden. Dies ist deshalb von Bedeutung, weil die Nachtflug-Sperre von 23-6 Uhr nicht eingehalten wird. Speziell zwischen 23-24 Uhr starten und landen regelmässig Flugzeuge in Kloten. Grund dafür ist meist der Abbau von Verspätungen, die tagsüber aufgebaut werden. Die IG Stiller fordert Nachtruhe ab 22 Uhr – auch für Fluglärm und auch für die Ostschweiz.

Arbeitslärm von Gewerbe, Landwirtschaft und Baustellen lassen sich nur teilweise vermeiden. Vorschriften zur Lärmvermeidung und Ruhezeiten (12-13 Uhr und 19-7 Uhr) könnten aber besser eingehalten werden. Wenn der Radio auf Baustellen zum Beispiel mehr Lärm macht wie die Arbeit ist das nicht im Sinne der Baulärm-Richtlinie.

Herdengeläut muss im Siedlungsgebiet tagsüber toleriert werden – nicht aber in der Nacht, wie das Bundes­gericht schon vor 100 Jahren festgestellt hat: „Das Interesse des Klägers, auf seiner Liegenschaft zur Nachtzeit Vieh mit Glockengeläute Weiden zu lassen, kann nur als eine Liebhaberei betrachtet werden“. Denn der von ihm für die Notwendigkeit des Herdengeläutes in erster Linie angeführte Grund, die leichtere Überwachung des Viehs, falle von vornherein ausser Betracht, weil die Weide eingefriedigt sei. 1975 bestätigte das Gericht diese Einschätzung: „…doch wird der Beklagte ein nächtliches Durchbrennen eines Tieres auch dann nicht ohne weiteres bemerken, wenn dieses eine Glocke trägt.“ Wegen der dichten Besiedelung könne ein durchgebranntes Tier leicht aufgefunden werden. Ergänzt werden könnte, dass Besitzer der im Dorf weidenender Kälber die Schellen zu Hause gar nicht hören, weil sie weit weg ausserhalb des Dorfes leben. In Ausserrhoden wurde 2013 vom Obergericht festgestellt, dass bei Lärm­klagen betreffend Herdengeläut die Gemeinde zuständig ist (O4V 12 14). Dank dieser Entscheidung sind keine zivilrechtlichen Prozesse mehr nötig. Wer von nächtlichem Herdengeläut gestört wird, kann sich auf das Umweltschutzgesetz und die die Lärmschutzverord­nung berufen und sich bei der Gemeinde­verwaltung melden.

Grundlage für den Umgang mit Nachbarn ist das Zivilgesetzbuch: „Jedermann ist verpflichtet, bei der Ausübung seines Eigentums, wie namentlich bei dem Betrieb eines Gewerbes auf seinem Grundstück, sich aller übermässigen Einwirkung auf das Eigentum der Nachbarn zu enthalten. Verboten sind insbesondere alle schädlichen und nach Lage und Beschaffenheit der Grundstücke oder nach Ortsgebrauch nicht gerechtfertigten Einwirkungen durch Luftverunreinigung, üblen Geruch, Lärm, Schall, Erschütterung, Strahlung oder durch den Entzug von Besonnung oder Tageslicht.“ Ein Hunde­halter zum Beispiel hat dafür sorgen, dass das Gebell seines Hundes die Nachbarn nachts nicht und tagsüber höchstens wenig stört.

Dass die Einwohner im Zentrum gelegentlich von Veranstaltungen gestört werden ist verständlich. Es darf allerdings erwartet werden, dass laute Veranstaltungen nur selten und maximal bis Mitternacht genehmigt werden. Daneben führen auch ungenehmigte Veranstaltungen in der Peripherie unseres Dorfes immer wieder zu starken Störungen. Diese müssen nicht akzeptiert werden.

Unter „anderem Lärm“ wurden folgende Störungen mehrfach erwähnt: Starke Störungen wegen nächtlicher Knallerei. Das neue Phänomen der nächtlichen Knallerei wird nicht nur in Trogen beobachtet. Als speziell ärgerlichen Lärm wurden Laubbläser erwähnt. Als leichte Störungen wurden mehrfach erwähnt: Lüftungen, Heizungen und Klimaanlagen.

Die Beteiligung war 2003 mit 88 auswertbaren Rückmeldungen deutlich höher als 2016. Bei der Umfrage von 2003 hatte nächtlicher Kirchenglockenlärm eine wichtige Stellung eingenommen. Dank der in Trogen getroffenen Massnahmen konnten „die nachts stark gestörten“ von 20 % auf 4 % vermindert werden. Zwei weiter bestehende starke Störungen durch Kirchenglocken betreffen das Morgenläuten. Herdengeläut ist bei der Umfrage von 2003 nicht gross aufgefallen. Grund für die andere Beurteilung ist wohl der Zeitpunkt der Umfragen – diejenige von 2003 erfolgte im Winter, diejenige von 2016 im Herbst.

Zusammenfassung

Das grösste Lärmproblem ist der Strassenlärm. Er ist am Tag und in der Nacht für die meisten Störungen verantwortlich. Speziell störend sind laute Motorfahrzeuge wie Motorräder und vermeidbarer Strassenlärm wie hochtourige Fahrweise, Aufheulen lassen des Motors oder laute Musik. Der zweite Platz für Fluglärm in dieser Umfrage zeigt einmal mehr, dass dieser Lärm auch in der Ostschweiz von Bedeutung ist. Speziell störend ist nächtlicher Fluglärm. Leider wird von Seiten des Staates nichts gegen laute Motorräder oder nächtlichen Fluglärm unternommen und beim vermeidbaren Strassenlärm werden die bestehenden Regeln nur selten durchgesetzt. Auf dem dritten Platz liegt am Tag der grösstenteils rationale Lärm von Gewerbe und Landwirtschaft – in der Nacht hingegen der irrationale Lärm „Liebha­be­rei Herdengeläut“. Dank einer rationalen Entscheidung des Ausserrhoder Obergerichtes können sich Betroffene neuerdings viel einfacher gegen diesen Lärm wehren.

Die IG Stiller fordert Nachtruhe ab 22 Uhr – auch für Fluglärm und auch für die Ostschweiz, ein Verbot der Verwendung lauter Motorfahrzeuge während der Ruhezeiten – analog wie für Lastwagen sowie die Durchsetzung der Vorschriften gegen vermeidbaren Strassenlärm.

Resultate-Tabelle:  tabelle

Graphik: graphik

Zu grosse Glocken in der Ostschweiz

Übermässig instrumentalisiert

Im August hat die IG Stiller drei Bilder von weidenden Rindern mit grossen Glocken (Treicheln) publiziert und die Fälle den Veterinärämtern von St. Gallen und Appenzell zur Prüfung vorgelegt. Das Veterinäramt St.Gallen hat unser Anliegen – nach Prüfung seines Falles – ans entsprechende Bundesamt weitergeleitet: „Da ja nicht nur St. Galler Landwirte Kühe mit kleineren und grösseren Glocken versehen, habe ich Ihr Schreiben an das BLV nach Bern zur Beurteilung von etwelcher Tierquälerei und Verletzung der Würde des Tieres geschickt.“

Wir haben in der Folge dem Bundesamt die Gründe dargelegt, weshalb grosse Glocken fürs Weiden verboten werden sollten. Basis des Gesuches ans Bundesamt waren die aktuelle Studie zu Tierglocken, das Tierschutzgesetz und Punkt 15 des „Tierschutz-Kontrollhandbuch Rinder“, welcher nur erfüllt werden kann, wenn „Rinder nicht über längere Zeit übermässigem Lärm ausgesetzt sind.“

Hintergrund für diese Aktion war die viel gelesene Behauptung, dass Glocken – von der Grösse wie sie für die Studie zu Tierglocken verwendet wurden – nur für Alpauf und -abzug verwendet würden. Mit den publizierten Bildern haben wir gezeigt, dass einzelne Landwirte den Rindern zum Weiden sogar noch grössere Glocken anziehen.

Solch grosse Glocken können bei längerfristigem Tragen Schürfwunden verursachen. Die letzten zwei Bilder aus dem Jahr 2005 zeigen einen solchen Fall. Da diese grosse Glocke auch im Winter aus dem Stall gehört werden konnte, muss vermutet werden, dass die Bio-Suisse Kuh die Glocke Tag und Nacht, Sommer und Winter tragen muss.

Kürzlich beantwortete das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinär- wesen das Gesuch der IG Stiller um Verbot grosser und lauter Glocken fürs Weiden. Das Bundesamt sieht keinen Handlungsbedarf. Allenfalls könnten weitere Studien – über eine längere Zeit und mit anderer Fragestellung diese Beurteilung ändern.

Auch die Veterinärämter von St.Gallen und Appenzell sehen nach Kontrolle der drei Fälle keinen Handlungsbedarf. Solange beim Tragen solcher Glocken keine Wunden auftreten, können die Glocken aus Sicht der Veterinärämter akzeptiert werden. Dazu das Schreiben aus Herisau: „Eine amtliche Tierärztin hat beide Tierhaltungen im Kanton Appenzell Ausserrhoden unangemeldet und zeitnah zu Ihrer Meldung besucht und eine Beurteilung der Tiere gemäss den heute geltenden Tierschutz-vorgaben vorgenommen. Insbesondere wurden die Tiere auf Schürfwunden und Verletzungen im Halsbereich untersucht. Dabei konnte nichts festgestellt werden.“

Die Beurteilung durch die Veterinärämter ist bedauerlich und nicht nachvollziehbar. Die Tiere werden bei der Nahrungsaufnahme offensichtlich behindert. Selbst wenn die Tiere keine Schürfwunden haben, werden sie doch übermässig instrumentalisiert. Glocken von dieser Grösse verletzen die Würde und vermindern das Wohlergehen im Sinne des Tierschutzgesetzes.

Würde: Eigenwert des Tieres, der im Umgang mit ihm geachtet werden muss. Die Würde des Tieres wird missachtet, wenn eine Belastung des Tieres nicht durch überwiegende Interessen gerechtfertigt werden kann. Eine Belastung liegt vor, wenn dem Tier insbesondere Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden, es in Angst versetzt oder erniedrigt wird, wenn tief greifend in sein Erscheinungsbild oder seine Fähigkeiten eingegriffen oder es übermässig instrumentalisiert wird;
Wohlergehen: Wohlergehen der Tiere ist namentlich gegeben, wenn: 1. die Haltung und Ernährung so sind, dass ihre Körperfunktionen und ihr Verhalten nicht gestört sind und sie in ihrer Anpassungsfähigkeit nicht überfordert sind…
https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20022103/index.html

Anbei Bilder von Ende Juli 2015 aus Trogen (1), Speicher (2) und St.Gallen (3), respektive von Mitte August 2015 aus Brülisau (4, 5).  Die Kühe der ersten drei Bilder wurden unterdessen amtlich geprüft.

Hier die Berichterstattung der SDA im Blick: http://www.blick.ch/news/schweiz/tierschutz-ig-stiller-will-kuehe-von-glocken-befreien-behoerden-winken-ab-id4158677.html

19.8.15

 

kuh bruderbachtal 29 juli 2015 kuh allmenweg 30 juli 2015kuh notkersegg 31 juli 2015

am Fusse des Hohen Kastens 220815 II am Fusse des Hohen Kastens 220815 Kopie

Bild 2 offene Wundekuh 1 Kopie

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