Essen. Der Winter geht, und bei den Anwohnern am Flugplatz wächst die Angst vor starkem Lärm durch Hubschrauber-Rundflüge, gerade an den Wochenenden. „Am letzten Wochenende“, beklagt ein Anwohner, „gab es von 10 bis 17 Uhr nahezu nonstop Helikopterverkehr.“ Rund 200 Flüge hat er dabei errechnet und urteilt wie seine Nachbarn: unzumutbar am Wochenende! „Nervtötendes Geräusch. Wenn das so weitergeht, wird der Sommer wieder zum Alptraum“, heißt es in einer anderen Beschwerde. Das Netzwerk Mülheimer Bürger gegen Fluglärm fordert die Politik auf, ein klares politisches Signal zum Verbot dieser Flüge zu setzen. „Die Hubschrauberfirmen haben von ihrer freiwilligen Verpflichtung, an Sonn- und Feiertagen in der Mittagszeit keine Flüge zu absolvieren, Abstand genommen“, kritisiert der Sprecher des Netzwerks, Waldemar Nowack.Der größte Anbieter von Hubschrauber-Rundflügen ist das Flugunternehmen Aveo. Deren Geschäftsführer Dietmar Rieß widerspricht den Beschwerden: „Wir halten uns nach wie vor an die Mittagszeiten, es sei denn, im dunklen Winter gibt es geschäftliche Verpflichtungen, die die Einschränkung nicht zulassen.“ Auch die geänderten Flugrouten, die Anwohner vor zu großem Lärm schützen sollen, halte man ein. Rieß ist davon überzeugt, dass das Problem längst nicht so groß ist, wie in der Öffentlichkeit diskutiert: „Es sind bei der Bezirksregierung in 18 Monaten nur 20 Beschwerden über Fluglärm eingegangen.“ Angesichts von fast 75 000 Flugbewegungen insgesamt in der Zeit sei das lächerlich wenig.Das Netzwerk sieht das völlig anders: Längst nicht jeder beschwere sich direkt bei der Bezirksregierung. Außerdem, so Nowack, würden Beschwerdeführer dort häufig auch wiederholt „abgeblockt“.

Wie aus der jüngsten Sitzung der Lärmschutz-Kommission zu erfahren war, ist die Zahl der Hubschrauber-Flüge im vergangenen Jahr von rund 5800 auf 5000 zurückgegangen, die reinen Rundflüge von 2400 auf 2200. Ein Grund sei die Nachfrage an anderen Flugplätzen, so Rieß. Die Flüge zu verbieten, sagt Wolfgang Sauerland von der Flugplatz-Verwaltung, sei nicht möglich. „Wir sind ein öffentlicher Platz und dürfen gar nicht eingreifen.“ Was die Störungen in der Mittagszeit angehe, könne er immer wieder nur an die Firmen appellieren – was er tue.

In der Bürgerschaft verstehen viele nicht, warum die Sonntagsruhe und die Lärmschutzverordnung für Hubschrauber nicht gelten. Der Grund: Sie sind in der Landeplatz-Lärmschutzverordnung aus den 1990er Jahren nicht drin: Da diese Maschinen keine Möglichkeiten haben, ihren Lärm zu reduzieren, nahm der Bund sie von den Einschränkungen aus.

Die Schutzgemeinschaft Fluglärm aus Essen hat beim Verwaltungsgericht Klage dagegen eingereicht. Mit der Verhandlung wird im Herbst gerechnet. Danach könnte es ruhiger werden (http://www.derwesten.de/staedte/essen/neue-klagen-ueber-helikopter-laerm-aimp-id10434899.html).

Kommentar:Es ist erstaunlich, wie wenig über Helikopterlärm diskutiert wird. Beängstigend sind insbesondere die extreme Lautstärke niedrig fliegender Helikopter und die kontinuierliche Zunahme. Im Gegensatz zum Fluglärm und Strassenlärm gibt es keine staatliche Unterstützung bei Lärmschutzmassnahmen.
Einige der wenigen Forderungen nach weniger Helikopterlärm in der Schweiz findet sich im Politnetz (1). Unter dem Titel „Helikopterlärm stört! für Fluglärmfreie Ruhezeiten verlangt ein Grüner Lokalpolitiker (Felix Glatz-Böni): „Das lärmige Knattern von Helikoptern über erholungssuchenden Einwohnerinnen und Einwohnern stört. Einige wenige haben das Vergnügen, viele andere aber haben den Lärm zu erdulden! Deshalb fordere ich ein Verbot von Freizeit- und Vergnügungsflügen während der ordentlichen Ruhezeiten. „Auch Helikopter haben Ruhezeiten verdient:-)““
Etwas seriöser war die Interpellation von Ständerat Luc Recordon vom 11.06.2012 (2) betreffend Einschränkung privater Helikopterflüge. „Der Einsatz von Helikoptern im öffentlichen Interesse oder zum Nutzen der Allgemeinheit (Rettung, Truppentransporte, Erfassung von Geodaten usw.) lässt sich gut begründen, auch die damit verbundenen Immissionen für die Bevölkerung, wenngleich diese natürlich so weit als möglich begrenzt werden müssen. Anders sieht es bei Helikopterflügen, Landungen und Starts zu privaten Zwecken aus. Es scheint aber so zu sein, dass für solche privaten Einsätze nicht einmal die Zustimmung der lokalen Behörden erforderlich ist und dass demnach auch keine Abwägung der öffentlichen und der privaten Interessen vorgenommen werden muss, auch nicht namentlich mit Blick auf die Lärmbekämpfung. Angesichts der mit Helikopterflügen verbundenen Immissionen ist das problematisch. Die Gesetzgebung scheint lückenhaft zu sein.“Wie die Antwort des Bundesrates zeigt, sind keine wesentlichen Einschränkungen dieser Lärmquelle geplant und nach wie vor muss mit einer starken Zunahme gerechnet werden. Eine Regulierung privater Helikopterflügeist ist  dringend notwendig – nicht nur im Alpenraum – sondern auch im Siedlungsraum.
 
1) http://www.politnetz.ch/artikel/17025-helikopterlaerm-stoert-fuer-fluglaermfreie-ruhezeiten
2) http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20123468)