FRAUENFELD. Der Zürcher Fluglärmindex erfasst auch Gebiete in den Nachbarkantonen, die unter Fluglärm leiden. Der neue Index zeigt: Die Zahl der Fluglärmgeplagten im Thurgau steigt. Dies wegen der stärkeren Belastung in der Nacht.

CHRISTOF WIDMER

Im Thurgau leben mehr Fluglärmopfer als in Süddeutschland. Das geht aus dem letzte Woche veröffentlichten Zürcher Fluglärmindex hervor. Laut dem Index waren letztes Jahr 280 Thurgauerinnen und Thurgauer stark vom Fluglärm betroffen. Zum Vergleich: In Süddeutschland, wo sich Bevölkerung und Politik vehement gegen die Belastung durch den Flughafen Zürich wehren, litten laut dem Zürcher Index 100 Personen unter dem Lärm.

Die Zahl der Lärmgeplagten im Thurgau stieg damit erneut. Im Vorjahr waren es noch 213 und 2010 waren es 119. Die Zahl von 280 ist immer noch sehr klein im Vergleich zu den über 61’000 Personen, die vor allem im Kanton Zürich unter dem Fluglärm leiden. Doch für die Fluglärmgegner belegt sie quasi amtlich, dass es Fluglärm im Thurgau gibt – und dass die Zahl der stark Betroffenen anwächst. «Der Fluglärmindex bestätigt, was wir hören», sagt Josef Imhof, Präsident des Bürgerprotests Fluglärm Hinterthurgau. Vor allen die Starts in den Nachtstunden seien eine Belastung für die Bevölkerung im Hinterthurgau.

Lärm, den jemand im Bett hört

Tatsächlich weist der Fluglärmindex für den Thurgau nur in den Nachtstunden stark belastete Personen aus – vor allem in den Gemeinden Bichelsee-Balterswil und Eschlikon, aber auch in Fischingen, Sirnach und Aadorf. In den Nachtstunden wendet der Index strengere Kriterien an als tagsüber. Das Problem seien die Starts von Langstreckenmaschinen spätabends, die über den Hinterthurgau geleitet werden, sagt Imhof. Der Flughafen Zürich heble mit dem Abbau von Verspätungen das Nachtflugverbot aus. Eigentlich gelte ab 23 Uhr eine Flugsperre.

Was Imhof Sorgen bereitet: Mit dem beim Bund beantragten neuen Betriebsreglement will der Flughafen zwar An- und Abflüge über dem Hinterthurgau entflechten, so dass nur noch Anflüge über die Region führen. Ausgerechnet ab 22 Uhr sollen aber auch die Abflüge über den Hinterthurgau geführt werden – also dann, wenn die Bevölkerung schon unter Fluglärm leidet.

Haag: «Vehement wehren»

«Die steigende Zahl im Zürcher Fluglärmindex bestätigt unsere Erkenntnisse aus unseren Fluglärmmessungen im Hinterthurgau», sagt die für die Fluglärmproblematik zuständige Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag. Auch die Auswertung der Thurgauer Messungen in Balterswil zeigten eine zunehmende Belastung nach 23 Uhr. Es gebe immer mehr späte Flüge. Deshalb lehne der Thurgau die im Entwurf zum Betriebsreglement vorgesehenen Abflüge ab 22 Uhr ab. «Dagegen werden wir uns weiterhin vehement wehren.» Unter dem Tag würde das Betriebsreglement dem Thurgau schon eine Mehrbelastung bringen: Zwar fallen pro Jahr 3000 Abflüge bis 22 Uhr weg, dafür bringt es 4000 neue Anflüge.

Haag nennt es positiv, dass der Zürcher Fluglärmindex die betroffenen Thurgauer Gemeinden berücksichtigt. Der Regierungsrat schlägt dem Grossen Rat vor, die eigenen Thurgauer Messungen aus Kostengründen einzustellen. Fluglärmgegner Imhof fordert aber, dass die Messungen weitergeführt werden.

Beim Fluglärmindex handelt es sich nicht um direkte Messungen, sondern um eine Berechnung durch die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa). Diese stützt sich unter anderem auf den Fluglärmnachweis für den Flughafen sowie Daten zur Bevölkerung und zur Bauweise von Gebäuden.

http://www.thurgauerzeitung.ch/ostschweiz/thurgau/kantonthurgau/tz-tg/Mehr-Fluglaermopfer-im-Thurgau-belegt;art123841,4445287

Kommentar:

Genau: Das Hauptproblem sind die Starts von Langstreckenmaschinen spätabends.  Eigentlich gilt ab 23 Uhr eine Flugsperre!

Die IG Stiller fordert Nachtruhe ab 22 Uhr – auch für Flugkärm. Keine Nachtflüge!