IG Stiller

Medienmitteilung vom 31.8.16

Nächtlicher Freizeitverkehr gefährdet Tradition der Nachtruhe. Neue Umfrage in Trogen.

Die Tradition der Nachtruhe kommt immer mehr unter Druck durch nächtlichen Freizeitverkehr mit aufheulenden Motoren und wummernden Lautsprechern. Kantonale und eidgenössische Gesetze, welche unsere Nachtruhe schützen, werden nicht umgesetzt. Mit einer neuen Lärmumfrage in Trogen möchte die IG Stiller Bevölkerung und Behörden für das Thema Nachtruhe sensibilisieren.

In Appenzell Ausserrhoden ist die Nachtruhe in Artikel 18 des kantonalen Strafrechts geregelt: „Wer mutwillig durch Lärm die Nachtruhe stört, wer in grober Weise die Ruhe an Sonn- und Feiertagen stört, wird mit Busse bestraft.“

Im Strassenverkehrsgesetz regelt Artikel 42 und im der Verkehrsregelverordnung Artikel 33 das Problem: „Fahrzeugführer, Mitfahrende und Hilfspersonen dürfen, namentlich in Wohn- und Erholungsgebieten und nachts, keinen vermeidbaren Lärm erzeugen“.

Durchgesetzt werden diese Gesetze leider nicht.

Die IG Stiller hat 2003 eine Lärmumfrage in Trogen durchgeführt, welche unter anderem gezeigt hat, dass Strassenlärm das grösste nächtliche Lärmproblem ist. Weitere wichtige nächtliche Lärmquellen waren damals Hundegebell, Zeitschlag und Fluglärm. Mit einer neuen Lärmumfrage im September 2016 möchte die IG Stiller versuchen Veränderungen in der Lärmbelastung aufzuzeigen und die Bevölkerung und Behörden für das Thema Nachtruhe zu sensibilisieren.

 

 

Aus Anlass der Lärm Umfrage Trogen 2016 hier die Resultate unserer Umfrage aus dem Jahr 2003:

Lärmumfrage Trogen 2003

Einführung

Untersuchungen haben gezeigt, dass etwa 25 % der Einwohner in ihren Wohnungen durch Lärm gestört sind (1). Je grösser eine Gemeinde, desto grösser im Allgemeinen auch die Lärmbelastung (2). Aber selbst Menschen, welche meinen durch Lärm nicht gestört zu werden, reagieren auf diesen. Nächtlicher Lärm kann so zum Beispiel unbemerkt zu einer Verminderung der Schlafqualität führen und dies wiederum kann zur Folge haben, dass der Betroffene am nächsten Tag schlechter arbeitet und sich schlechter fühlt. Es ist unbestritten, dass Lärm gesundheits­schädigend ist und mittel- und längerfristig zu Erkrankungen des Nervensystem und des Herz-Kreislauf-Systems führt. Dazu kommt, dass Lärm zu Erregung und Aggression führen kann (3). Lärm ist ein wichtiges Umweltproblem und soll schlimmere Gesundheitsschäden anrichten als Gifte in der Nahrung (4). Lärm verursacht auch immense wirtschaftliche Kosten. Neben direkten Heilkosten als Folge von Gesundheits­beein­trächtigungen entstehen unter anderem Kosten durch Lärmbekämpfungs­massnahmen, Produktionsausfälle sowie die Lärmflucht der betroffenen Bevölkerung (8). Trotz all dieser negativen Wirkungen und trotz deutlicher gesetzlicher Vorgaben (Umweltschutzgesetz, Lärmschutz­verordnung) wird von den Behörden zu wenig zum Schutze der Lärmgeplagten Bevölkerung getan.

Methode

Die Interessengemeinschaft Stiller liess Anfang Dezember 2002 in alle Haushaltungen von Trogen (knapp 800) einen Erhebungsbogen verteilen.

Resultate

Alle bis zum 28. Januar 2003 eingegangen Erhebungsseiten (134) wurden in die Untersuchung aufgenommen. Insgesamt gaben 88 Personen mindestens eine Lärmstörung an. Unter Berücksichtigung der Intensität der Störung [wenig (1), mässig (2), stark (3)] ergaben sich folgende Daten:

Beurteilung Tag
1
Tag 2 Tag 3 Nacht
1
Nacht
2
Nacht 3
Strassenverkehr 23 21 13 21 12 18
Hundegebell 18 6 7 10 20 8
Flugverkehr 19 7 4 16 2 10
Gewerbe/Landwirtschaft 15 5 4 8 6 6
Kirchenglocken 8 2 8 6 5 18
Nachbarn 19 2 1 10 9 2
Schienen 7 2 1 7 0 2
Herdengeläut 4 0 1 6 4 1

 

Im Bezug auf die Stellung des Strassenverkehrs sind diese Resultate in Übereinstimmung mit Resultaten ähnlicher Untersuchungen aus Öster­reich (1), Bayern (5) und Deutschland (2, 6, 7). Am meisten stört der Strassenverkehr, aber auch Hundegebell, Flugverkehr, Gewerbe/Land­wirtschaft, Kirchen­glocken und Nachbarn und waren oft genannte Störquellen. Etwas weniger erwähnt wurden das Herdengeläut und der Schienenverkehr.

Wird der Fokus auf diejenigen gerichtet, welche nachts stark gestört werden ergibt sich folgende Rangordnung:

Starke Störungen in der Nacht gehen vor allem vom Strassenverkehr und den Kirchenglocken aus (je 18). Auf Platz drei folgt der Flugverkehr (10) und auf dem 4. Platz das Hundegebell. Anschliessend folgt Gewer­be/Landwirtschaft, Schienenverkehr, Nachbarn, Herdengeläut.

Diskussion

Die Lärm-Empfindlichkeit der Menschen variiert sehr stark. Sehr deutlich zeigt dies die vorliegende Umfrage beim Fluglärm, welcher alle Einwohner Trogens etwa gleich betrifft. Verschiedene Rückmeldungen, lassen vermuten, dass ein Teil der Bevölkerung sich nicht vorstellen kann dass Lärm oder gar Fluglärm in Trogen ein Problem ist. Tatsache ist aber, dass fast 30 % der Personen, welche sich an der Umfrage beteiligten, Flugverkehr als störend empfinden.

Verschiedene Lärmquellen sind praktisch nicht vermeidbar – andere leicht. So kann ein rücksichtsvoller Hunde­halter ohne grossen Aufwand dafür sorgen, dass sein Hund nachts nicht und tagsüber nicht dauernd für Nachbarn hörbar bellt. Fenster könnten bei lärmintensiven Arbeiten geschlossen werden und Motoren bei Nichtgebrauch abgestellt werden. Beim Strassenverkehr könnte auf eine möglichst ruhige Fahrweise geachtet resp. eine solche durchgesetzt (!) werden.

Beim Flugverkehr ist festzustellen, dass diese Immission nicht nur für Bewohner in der Nähe eines grossen Flughafens ein Problem ist. Neben dem Linienflugverkehr werden auch der Privatluftverkehr und Helikopter als störend empfunden. Beängstigend ist speziell auch die kontinuierliche Zunahme des Lärms – speziell beim Strassen- und Flugverkehr.

Eine spezielle Stellung nimmt das Kirchen- und Herdengeläut ein. Dieser Lärm ist leicht vermeidbar. Sowohl bei den Kirchenglocken als auch beim Herdengeläut wurde eine ehemals bescheidene Tradition (Gebetsaufruf, Dämonenbann, Glücksbringer) durch immer mehr und immer grössere Glocken und Schellen und einen immer häufigeren Gebrauch korrumpiert. Beim Herdengeläut hat das für die betroffenen Tiere teilweise zu einer Lärmbelastung geführt, bei welcher die SUVA von einem Arbeiter verlangen würde, dass er einen Gehörschutz trägt. Dasselbe gilt für Kirchgänger auf dem Gang zur läutenden Kirche.

Zusammenfassung

Bezüglich der Lärmquellen hat die Umfrage gezeigt, dass der Strassen­verkehr am meisten stört, aber auch Hundegebell, Kirchenglocken, Fluglärm, Gewerbe/Landwirtschaft, und Nachbarn waren oft genannte Störquellen. Weniger häufig aber immer noch von 10 % der an der Umfrage beteiligten Personen genannte Lärmquellen sind das Herdengeläut und der Schienenverkehr.

Literatur

1) Lang Judith: Interpretation von Bevölkerungsumfrage zum Lärm. Lärm­minderungs­massnahmen und ihre Auswirkungen auf die empfundene Lärmbelästigung- ein Bericht aus Österrreich. http://www.lfu.baden-wuerttemberg.de/lfu/abt3/tagung_laerm/04.pdf

2) Maschke C, Laussmann D, Eiss D, Wolf U, Robert Koch-Institut Berlin. Thieme Verlag. http://www.thieme.de/gesu/pdf/s158-s162.pdf

3) Prof. Dr. Wolfgang Scholl. Lehrstuhl für Organisations- und Sozialpsychologie der Humolt Universität in Berlin. http://www.psychologie.hu-berlin.de/orgpsy/lehre/grund/folien/vl_theo01/15.pdf

4) WRD-online: Folter für die Ohren, „Tag gegen Lärm“: Experten warnen vor Gesundheitsschäden. http://online.wdr.de/online/gesundheit/tag_gegen_laerm/index.phtml

5.) Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen. Fachinformation Umwelt und Gesundheit. http://www.umweltministerium.bayern.de/service/umwberat/ubblaer.htm

6) Umweltbundesamt: Online-Umfrage zur Lärmbelästigung in Deutschland. http://www.umweltdaten.de/laermumfrage/belaestigung.pdf

7) Institut für Demoskopie Allensbach  2002 Nr.21. Weniger Lärmbelästigung in der Wohnung und am Arbeitsplatz. http://www.ifd-allensbach.de/pdf/prd_0221.pdf

8) BUWAL: Der Mensch zwischen Ruhe und Lärm. http://www.umwelt-schweiz.ch/buwal/de/fachgebiete/fg_laerm/facts/ruhelaerm/

Kurzfassung vom 1. September 2005