ruhezone

Eine Million Menschen sind in der Schweiz täglich dem Lärm im öffentlichen Verkehr ausgesetzt. Lärm beeinträchtigt das Wohlbefinden, die Arbeitsfähigkeit und die Gesundheit. Deshalb fordert die IG Stiller verschiedene Massnahmen gegen den Lärm im ÖV wie die Wiedereinführung der Ruhezonen in der zweiten Klasse.

Die IG Stiller startet die Diskussion um den Lärm im ÖV. Sie fordert die Wiedereinführung von Ruheabteilen in der 2. Klasse der SBB sowie die Einführung von Ruhezonen in Nahverkehrszügen und verweist dazu auf den Kommentar des Bundesrates aus dem Jahr 2010: „Auch unter den Passagieren der zweiten Klasse hat es Personen, welche eine Zugfahrt in relativer Ruhe ohne seichtes Handygeplapper und laute Unterhaltung schätzen“.

Ein weiteres Lärmproblem im ÖV ist die Fahrgastinformation. Pendler täglich mit Informationen zu überschütten, welche diese weder wollen noch brauchen, entspricht nicht dem Stand der Technik. Zumindest in Ruhezonen könnte die Infor­mationen über Kopfhörer verteilt werden. Jedem in seiner Sprache, jedem so viel wie er will. Touristenbusse für Stadtbesichtigungen sind schon lange so eingerichtet.

Ruhebereiche und Ruheabteile

Die Ruheabteile der zweiten Klasse der SBB wurden 2009 abgeschafft. einerseits haben sich die Abteile optisch zu wenig von anderen Abteilen unterschieden und andererseits hat sich die SBB nicht wirklich um die Durchsetzung des Ruhegebotes gekümmert. Der Bundesrat kommentierte dies 2010 wie folgt: „Es bleibt die unangenehme Aufgabe für das Zugspersonal, gelegentlich dem Ruhegebot Nachachtung verschaffen zu müssen. Kommuniziert und kontrolliert man jedoch klar und konsequent, wie beispielsweise bei der seinerzeitigen Einführung der rauchfreien Züge, so wird das Ruhegebot nach einer gut begleiteten erneuten “Anlaufzeit” ebenso selbstverständlich auch in der zweiten Klasse eingehalten wie in der ersten Klasse.“[1].

Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass die Deutsche Bahn auch in der 2. Klasse Ruhebereiche anbietet[2]: In Frankreich werden zumindest telefonierende Fahrgäste in spezielle Bereiche verwiesen.

Fahrgastinformation: optimieren statt maximieren

Im Hinblick auf die Fahrgastinformation kann festgestellt werden, dass diese maximiert statt optimiert wurden. Da dieser Fahrgastinformation täglich eine Million Menschen ausgesetzt sind, muss sie professionalisiert werden. Es braucht für jede Fahrgastinformation eine wissenschaftliche Nutzen-Risiko-Abwägung unter Einbezug der Betroffenen (z.B. Blinde, Hörbehinderte, Lärmempfindliche). Sinnvoll sind möglichst kurze Ansagen, ohne nutzlose Informationen wie „Bei Fragen berät sie das Zugspersonal gerne“. „wir wünsche ihnen eine gute Reise“. „wir bitten sie auszusteigen und wünschen ihnen eine gute Weiterfahrt“. Mehrere Sprachen sollten nur an wichtigen Stellen verwendet werden und nur wenn der Passagierfluss damit nachweislich optimiert werden kann.

Zudem sollten Zonen eingeführt werden, welche nur in Notfällen mit Lautsprechern beschallt werden. So könnten in Ruhezonen die Infor­mationen über Kopfhörer verteilt werden. Jedem in seiner Sprache, jedem so viel wie er will. Touristenbusse für Stadtbesichtigungen sind schon lange so eingerichtet.

[1] http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20094326

[2] Für Fahrgäste mit Wunsch nach Ruhe und Entspannung haben wir unsere Ruhezonen optimiert. Sie befinden sich entweder in Abteilen, den ICE Lounges (Abteile hinter dem Fahrzeugführer) oder in kompletten Wagen. In diesem Bereich sind Handytelefonate, Klingeltöne, lautes Musikhören (auch via Kopfhörer) oder sonstige lärmende Tätigkeiten nicht erwünscht.“

Medienmitteilung vom 22.6.15