Rund 70’000 Personen sind in der Schweiz tagsüber übermässigem Eisenbahnlärm ausgesetzt. In der Nacht sind es etwa doppelt so viele. Eisenbahnlärm über den Belastungsgrenzwerten tritt entlang des Schienennetzes in einem relativ schmalen Korridor auf: 90 % der betroffenen Personen leben in Städten und Agglomerationen. Tagsüber ist eine Siedlungsfläche von 15 km2 betroffen, in der rund 70‘000 Personen wohnen. Nachts ist eine Siedlungsfläche von 31 km2 betroffen, in der rund 140’000 Personen wohnen. Die je nach Tageszeit unterschiedliche Zahl der Lärmgeplagten hat zwei Hauptgründe: in den Nachtstunden gelten strengere Immissionsgrenzwerte und nachts sind vor allem die besonders lauten Güterzüge unterwegs (http://www.bafu.admin.ch/laerm/10519/10525/?lang=de).

Sowohl bei den Lärmkosten als auch bei der Anzahl Betroffenen kommt der Schienenlärm weit nach dem Strassenlärm. Von 660’000 Wohnungen, welche im Kanton Zürich von der ZKB untersucht wurden, sind 60 % durch Strassen- und nur 4% durch Bahnlärm im Mietwert beeinträchtigt (http://www.bafu.admin.ch/dokumentation/umwelt/12512/12535/index.html?lang=de).

Zudem scheint es in der Schweiz keine aktiven Organisationen zu geben, welche sich gegen Schienenlärm wehrt. Zumindest wird bei Laerm.ch nur auf eine deutsche Organisation verwiesen, die Bundesvereinigung gegen Schienenlärm (BVS) (siehe Links). Das BAFU erwähnt Schienenlärm an dritter Stelle der wichtigsten Lärmarten. Es kann aber vermutet werden, dass Kirchenglocken für einen grösseren Anteil der Schweizer Bevölkerung ein relevantes Lärmproblem sind. Auch Lärm im ÖV könnte mehr Menschen betreffen als Schienenlärm – zumindest tagsüber.

Eine Beschränkung der Betriebszeiten wird beim Schienenlärm nicht diskutiert. Dagegen sprechen vor allem die Kapazität des Schienennetzes und die Verlagerungsziele zur Entlastung der Strassen. Personenzüge verursachen heute deutlich weniger Lärm als früher. Im Vergleich dazu besteht beim Güterverkehr auf der Schiene ein grosser Nachholbedarf. Deshalb unterstützt der Bund die Entwicklung eines leichten und lärmarmen Drehgestells für Güterwagen und fördert weitere Projekte, die den Schienenlärm vermindern sollen.

Da aber auch ausländische Güterwagen unterwegs sind, kann damit nur ein Teil des Problems gelöst werden. Deshalb wird über ein „lärmabhängiges Trassenpreissystem für die Schweiz“ diskutiert. Dabei sollen die Kosten auf dem Lärmzulassungswert der Güterwagen basieren. Güterwagen, deren Lärmemissionen über dem Grenzwert für umgebaute Fahrzeuge liegen, sollen zukünftig mit einem Malus bestraft werden. Demgegenüber erhalten Güterwagen einen Bonus, deren Lärmemissionen deutlich unter den gesetzlich vorgeschriebenen Werten liegen. Die vorgeschlagene Variante weist nicht nur ein günstiges Kosten/Nutzen-Verhältnis auf, sondern ist auch alternativen Ansätzen wie der Direktförderung oder Lärmkontingentierungen überlegen. Parallel zum vorgeschlagenen Anreizsystem soll längerfristig aber auch die Möglichkeit einer europaweiten generellen Netzzugangsbeschränkung von Güterwagen mit Grauguss-Bremssohlen geprüft werden. Frühzeitig angekündigt, würde diese Massnahme die Wirkung des vorgeschlagenen Anreizsystems noch steigern (Trassenpreissystem_Laerm_Folgebericht_2010(3)).