Herdenschutzhunde sind ein wirksamer Schutz gegen den Wolf. Doch mit ihrem Verhalten vertreiben sie auf den Alpen auch Wanderer und Biker. Nach der Alpsaison sind die Hunde nun im Tal und nahe bei der Zivilisation unterwegs. Dort sorgen sie mit ihrem Bellen bei den Anwohnern für schlaflose Nächte.

http://www.srf.ch/news/regional/ostschweiz/herdenschutzhunde-sorgen-fuer-laermklagen

hundelärm

Der Bauernhof von Ueli Metz liegt hoch über dem Walensee am Rande eines Wohnquartiers. Im Winter weiden seine Schafe direkt neben den Häusern. Bewacht wird die Herde von vier Herdenschutzhunden. Wenn die Hunde eine Gefahr für ihre Herde sehen, bellen sie. Sie reagieren auf Katzen, Füchse und Spaziergänger. Immer wieder fühlen sich Nachbarn durch das Bellen gestört und melden sich bei der Polizei.

Ueli Metz hat bereits 20 Lärmklagen erhalten. Anwohner haben auch schon den Tierschutz und den Kantonstierarzt informiert. Metz hat Verständnis für die Klagen der Anwohner. Er hat darum verschiedene Anpassungen vorgenommen. Die Nacht müssen die Hunden nun in einem Schopf verbringen: «Das ist aber nicht gut. Die Hunde müssen nachts arbeiten, sonst verlieren sie ihr natürliches Verhalten und schützen die Schafe nicht mehr.»

 

Lärmklagen werden ernst genommen

Wenn aus dem Bellen ein veritabler Nachbarschaftsstreit wird, hilft die Vermittlung des kantonalen Herdenschutzbeauftragen. Jan Boner ist zuständig für die Ausbildung und Haltung der Hunde im Kanton Graubünden. Er nimmt Lärmklagen jedes Mal sehr ernst. Er habe aber festgestellt, dass oft gar nicht der Hund der Kern des Problems sei: «Oft sind es zwischenmenschliche Probleme und es geht weniger um den Hund, als um den Wolf.»

 

Kompromisse bringen ruhige Nächte

Jan Boner sucht mit Hundehalter und Anwohner jeweils Lösungen, die für beide Seiten passen. Manchmal müssen die Hunde die Nacht im Stall verbringen oder man sucht eine Weide, die abgelegen liegt. Es habe aber auch schon Nachbarn gegeben, die nach dem Gespräch Lärmschutz-Fenster einbauen liessen.

 

Mehr Verständnis für Herdenschutzhunde

Ueli Metz wünscht sich, dass die Bevölkerung besser über die Aufgaben der Herdenschutzhunde informiert wird und die Leute den Hund tolerieren. «Wer ‚ja‘ sagt zum Wolf, der muss auch ‚ja‘ sagen zum Herdenschutzhund», sagt Metz. Er will trotz Konflikten seine Hunde behalten. Metz sömmert seine Schafe auf einer Alp mitten im Wolfsgebiet am Calanda. Seit er die Hunde habe, habe es keine Wolfsrisse mehr gegeben.

SRF. Schweiz aktuell, 12.11.14, 18:30 Uhr; freifa

Kommentar:
Wieso ist der Schafhalter überhaupt auf die Idee gekommen, dass so eine „Anlage“ im Siedlungsraum akzeptiert werden könnte? 20 Lärmklagen weisen auf hohes Mass an Leid auf Seite der Gestörten. Vier Hunde, die jedes Auto, jede Katze, jeden Hund, jeden Fussgänger anbellen – und das die ganze Nacht. Das geht definitiv zu weit und ist schon tagsüber eine Zumutung. Es stellt sich auch die Frage, wieso er die Glocken nicht abgenommen hat. Hier im Siedlungsraum wären die nicht nötig und Glockenlärm ist für Tiere und Anwohner eine Belastung – wobei es bei den Anwohnern auch Ausnahmen geben mag.
Hätte die „Anlage“ nach der Lärmschutzverordnung beurteilt werden müssen, wäre die Wirtschaftlichkeit allfälliger Massnahmen diskutiert worden. Die Hunde nachts in den Stall zu nehmen kostet nichts. Glocken abnehmen auch nicht.
Hat diese Art der Schafhaltung überhaupt einen wirtschaftlichen Nutzen? Vier Hunde brauchen einiges an Futter. Wieso das Calandatal nicht einfach der Natur überlassen. Muss wirklich jedes Tal bewirtschaftet werden?