Übermässig instrumentalisiert

Im August hat die IG Stiller drei Bilder von weidenden Rindern mit grossen Glocken (Treicheln) publiziert und die Fälle den Veterinärämtern von St. Gallen und Appenzell zur Prüfung vorgelegt. Das Veterinäramt St.Gallen hat unser Anliegen – nach Prüfung seines Falles – ans entsprechende Bundesamt weitergeleitet: „Da ja nicht nur St. Galler Landwirte Kühe mit kleineren und grösseren Glocken versehen, habe ich Ihr Schreiben an das BLV nach Bern zur Beurteilung von etwelcher Tierquälerei und Verletzung der Würde des Tieres geschickt.“

Wir haben in der Folge dem Bundesamt die Gründe dargelegt, weshalb grosse Glocken fürs Weiden verboten werden sollten. Basis des Gesuches ans Bundesamt waren die aktuelle Studie zu Tierglocken, das Tierschutzgesetz und Punkt 15 des „Tierschutz-Kontrollhandbuch Rinder“, welcher nur erfüllt werden kann, wenn „Rinder nicht über längere Zeit übermässigem Lärm ausgesetzt sind.“

Hintergrund für diese Aktion war die viel gelesene Behauptung, dass Glocken – von der Grösse wie sie für die Studie zu Tierglocken verwendet wurden – nur für Alpauf und -abzug verwendet würden. Mit den publizierten Bildern haben wir gezeigt, dass einzelne Landwirte den Rindern zum Weiden sogar noch grössere Glocken anziehen.

Solch grosse Glocken können bei längerfristigem Tragen Schürfwunden verursachen. Die letzten zwei Bilder aus dem Jahr 2005 zeigen einen solchen Fall. Da diese grosse Glocke auch im Winter aus dem Stall gehört werden konnte, muss vermutet werden, dass die Bio-Suisse Kuh die Glocke Tag und Nacht, Sommer und Winter tragen muss.

Kürzlich beantwortete das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinär- wesen das Gesuch der IG Stiller um Verbot grosser und lauter Glocken fürs Weiden. Das Bundesamt sieht keinen Handlungsbedarf. Allenfalls könnten weitere Studien – über eine längere Zeit und mit anderer Fragestellung diese Beurteilung ändern.

Auch die Veterinärämter von St.Gallen und Appenzell sehen nach Kontrolle der drei Fälle keinen Handlungsbedarf. Solange beim Tragen solcher Glocken keine Wunden auftreten, können die Glocken aus Sicht der Veterinärämter akzeptiert werden. Dazu das Schreiben aus Herisau: „Eine amtliche Tierärztin hat beide Tierhaltungen im Kanton Appenzell Ausserrhoden unangemeldet und zeitnah zu Ihrer Meldung besucht und eine Beurteilung der Tiere gemäss den heute geltenden Tierschutz-vorgaben vorgenommen. Insbesondere wurden die Tiere auf Schürfwunden und Verletzungen im Halsbereich untersucht. Dabei konnte nichts festgestellt werden.“

Die Beurteilung durch die Veterinärämter ist bedauerlich und nicht nachvollziehbar. Die Tiere werden bei der Nahrungsaufnahme offensichtlich behindert. Selbst wenn die Tiere keine Schürfwunden haben, werden sie doch übermässig instrumentalisiert. Glocken von dieser Grösse verletzen die Würde und vermindern das Wohlergehen im Sinne des Tierschutzgesetzes.

Würde: Eigenwert des Tieres, der im Umgang mit ihm geachtet werden muss. Die Würde des Tieres wird missachtet, wenn eine Belastung des Tieres nicht durch überwiegende Interessen gerechtfertigt werden kann. Eine Belastung liegt vor, wenn dem Tier insbesondere Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden, es in Angst versetzt oder erniedrigt wird, wenn tief greifend in sein Erscheinungsbild oder seine Fähigkeiten eingegriffen oder es übermässig instrumentalisiert wird;
Wohlergehen: Wohlergehen der Tiere ist namentlich gegeben, wenn: 1. die Haltung und Ernährung so sind, dass ihre Körperfunktionen und ihr Verhalten nicht gestört sind und sie in ihrer Anpassungsfähigkeit nicht überfordert sind…
https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20022103/index.html

Anbei Bilder von Ende Juli 2015 aus Trogen (1), Speicher (2) und St.Gallen (3), respektive von Mitte August 2015 aus Brülisau (4, 5).  Die Kühe der ersten drei Bilder wurden unterdessen amtlich geprüft.

Hier die Berichterstattung der SDA im Blick: http://www.blick.ch/news/schweiz/tierschutz-ig-stiller-will-kuehe-von-glocken-befreien-behoerden-winken-ab-id4158677.html

19.8.15

 

kuh bruderbachtal 29 juli 2015 kuh allmenweg 30 juli 2015kuh notkersegg 31 juli 2015

am Fusse des Hohen Kastens 220815 II am Fusse des Hohen Kastens 220815 Kopie

Bild 2 offene Wundekuh 1 Kopie